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Arteria-spinalis-anterior-Syndrom

Englischer Begriff

Anterior spinal artery syndrome

Definition

Durch Ischämie des Rückenmarks bei Verschluss der A. spinalis anterior entstehender Symptomenkomplex, bestehend aus Schmerzen (nicht abhängig von Infarktgröße), dissoziierter Sensibilitätsstörung (aufgehobene Temperatur- und Schmerzempfindung bei weitgehend intaktem Berührungs-, Vibrations- und Lagesinn), Paraplegie, Mastdarm- und Blasenentleerungsstörungen. Seltener ist ein inkomplettes Brown-Séquard-Syndrom.

Vorkommen

Die A. spinalis anterior geht aus der A. vertebralis hervor und verläuft vor der Fissura mediana des Rückenmarks. Zu einem Verschluss der A. spinalis anterior kommt es bei Arteriosklerose, seltener durch Bandscheibenvorfall oder Rückenmarktumoren. Die Diagnostik erfolgt mittels Kernspintomographie, welche sagitale und von der auffälligen Region axiale Schichten umfassen sollte. Das Ödem nach spinaler Ischämie lässt sich auf T2-, protonengewichteten und FLAIR-Sequenzen darstellen (hyperintense, spindelförmige Signalveränderung). Es sollte ebenso eine T1-Sequenz ohne und mit Kontrastmittel erfolgen (Kontrastmittelanreicherung durch Schrankenstörung). Spinale Angiographie ist nicht unbedingt notwendig, zeitlich verzögert bei Patienten mit Verdacht auf Gefäßmalformation.

Therapie

Akuttherapie

Endovaskuläre Fibrinolyse bisher nicht möglich.

Konservative/symptomatische Therapie

Allgemeine Maßnahmen: subkutane Prophylaxe venöser Thrombosen. Physiotherapie, Blasen- und Mastdarmtraining, Prophylaxe von Dekubitalulzera.

Medikamentöse Therapie

Antikoagulation mit Heparin zur Verbesserung der Mikrozirkulation und Vermeidung von lokalen Thrombosen überlegenswert, geringes Einblutungsrisiko. Längerdauernde Antikoagulation kann nicht empfohlen werden.

Operative Therapie

Indikation: bei symptomatischem Arteria-spinalis-anterior-Syndrom durch Reduktion oder Blockade des Blutflusses durch Raumforderung (Tumor, Bandscheibenvorfall) oder bei chronischer, vaskulärer Myelopathie verursacht durch einen engen Spinalkanal.

Operative Maßnahme bei Dekompression durch Tumor- oder Bandscheibenentfernung oder bei knöcherner Dekompression.

Dauertherapie

Physio-und Ergotherapie.

Bewertung

Erholung ist abhängig von Schwere der Symptomatik, Alter der Patienten und Intensität der Rehabilitation.

Nachsorge

Rehabilitation in Querschnittszentrum.

Autor

Iris Reuter

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