Springer-Verlag
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z 0-9

Daumensattelgelenk, Arthrose

Synonyme

Rhizarthrose; Sattelgelenkarthrose; Trapeziometakarpale Arthrose; Arthrose des ersten Karpometakarpalgelenks

Englischer Begriff

Carpometacarpal joint arthrosis of the thumb; Saddle joint arthritis

Definition

Gelenkverschleiß des Daumensattelgelenks mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung des Daumens.

Pathogenese

Wenngleich die meisten Arthrosen im Daumensattelgelenk als idiopathisch (Polyarthrose) zu klassifizieren sind, kann der Gelenkverschleiß auch posttraumatisch (z. B. nach Bennett-Luxationsfraktur oder Bandverletzung) oder im Rahmen einer entzündlichen Destruktion (z. B. rheumatoide Arthritis) entstehen.

Symptome

Die Patienten berichten über Schmerzen in Höhe des Daumensattelgelenks, eine eingeschränkte Beweglichkeit des Daumens und eine Kraftminderung. Tätigkeiten, die den Einsatz des Daumens erfordern, werden als schmerzhaft beschrieben.

Diagnostik

Der Daumen wird im fortgeschrittenen Stadium der Arthrose im Sattelgelenk adduziert gehalten. Besteht bereits eine Subluxation im Karpometakarpalgelenk, erscheint die Gelenkkontur des Os trapezium dorsoradial prominent. Es findet sich oft ein isolierter Druckschmerz über dem Gelenkspalt. Die Bewegungsausmaße des Daumens sind in der Regel reduziert. Dies gilt für die Radialduktion, die Palmarduktion und die Opposition. Orientierend kann überprüft werden, ob der Patient noch in der Lage ist, die Kleinfingerkuppe oder die Beugefalte des Kleinfingergrundgelenks mit dem Daumen zu erreichen. Oftmals lassen sich bei der aktiven oder passiven Überprüfung des Bewegungsausmaßes Krepitationen tasten. Eine Atrophie der Thenarmuskulatur kann ausgebildet sein, die differentialdiagnostisch von einer distalen Kompression des N. medianus abgegrenzt werden muss. Bei lange bestehender Rhizarthrose mit Ausbildung einer Adduktionskontraktur des Daumens kann das Daumengrundgelenk kompensatorisch hyperextendiert sein und eine palmare Kapsel-Band-Instabilität aufweisen.

Röntgenologisch imponiert eine unterschiedlich stark ausgeprägte Verschmälerung des Gelenkspalts, die von einer subchondralen Sklerosierung begleitet sein kann. Das Os trapezium erscheint oft vergrößert, gelegentlich zystisch destruiert und ausgewalzt. Subluxationen der Basis des ersten Mittelhandknochens sind möglich. Beurteilt werden muss auch das Gelenk zwischen Os trapezium, Os trapezoideum und Os scaphoideum (Triscapharthrose), das ebenfalls degenerative Veränderungen aufweisen kann.

Differenzialdiagnose

Degenerative Veränderungen des Triscaphgelenks.

Therapie

In Abhängigkeit vom Stadium der Erkrankung, den beklagten Beschwerden und dem körperlichen Anspruch sind konservative und operative Behandlungsmaßnahmen möglich.

Akuttherapie

Ruhigstellung, systemische Applikation von Antiphlogistika, Kühlung.

Konservative/symptomatische Therapie

Eine vorübergehende Immobilisation des Daumensattelgelenks in einer Orthese kann zur Rückbildung der akuten Symptomatik führen. Lokale oder systemische Gabe von Antiphlogistika sowie intraartikuläre Injektionen mit einem Kortikoidpräparat können ebenfalls zu einer Beschwerdelinderung führen. Physikalische Maßnahmen (z. B. Iontophorese oder subaqualer Ultraschall) sind geeignet, die Beschwerden bei einer akuten Exazerbation der Arthrose zu lindern. Mit Traktionsmobilisationen des Gelenks im beschwerdefreien Intervall kann das Bewegungsausmaß mitunter verbessert werden.

Medikamentöse Therapie

Lokale und systemische Gabe von Antiphlogistika, intraartikuläre Injektionen mit einem Kortikoidpräparat.

Operative Therapie

Die operativen Therapiemaßnahmen orientieren sich am Stadium der Erkrankung. Gelenkerhaltende Maßnahmen, wie zum Beispiel eine Umstellungsosteotomie des ersten Mittelhandknochens, sind vor allem bei posttraumatischen Deformitäten im Frühstadium der Erkrankung möglich. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen kann die Resektionsarthroplastik durchgeführt werden, bei der das Os trapezium ersatzlos entfernt wird. Hier sind verschiedene Variationen mit Sehneninterposition oder Suspension der Basis des ersten Mittelhandknochens möglich. Arthrodesen des Daumensattelgelenks werden seltener durchgeführt und bleiben Patienten mit kraftvollen manuellen Tätigkeiten vorbehalten. Die Wertigkeit der Endoprothese zur Behandlung der Rhizarthrose wird kontrovers beurteilt. Es stehen hierzu verschiedene Modelle zur Verfügung, die eine zementfreie Implantation bei geringer Knochenresektion ermöglichen.

Dauertherapie

Nach der Operation und Abschluss der postoperativen Konsolidierungsphase sind ergotherapeutische und physiotherapeutische Maßnahmen zur Gebrauchsschulung der Hand erforderlich. Eine Dauertherapie ist nicht indiziert.

Bewertung

Die konservativen Therapiemaßnahmen sind in aller Regel geeignet, eine Beschwerdelinderung über einen unterschiedlich langen Zeitraum (sechs Monate bis drei Jahre) zu bewirken. Meist kommt es dann zu einer Beschwerdeprogredienz, was ein operatives Vorgehen erfordert. Bei den meistbetroffenen Frauen ist die Resektionsarthroplastik die Methode der Wahl. Sie erhält die Beweglichkeit im Daumensattelgelenk und gewährleistet eine weitgehend uneingeschränkte Funktion des Daumens. Als Nachteil ist allerdings eine gewisse Kraftminderung zu sehen. Die Arthrodese und Endoprothese des Daumensattelgelenks bleiben Ausnahmeindikationen vorbehalten.

Nachsorge

Nach den operativen Maßnahmen ist eine mehrwöchige Schonung und Immobilisation des ersten Strahls erforderlich. Anschließend ist eine physiotherapeutische Behandlung zur Gebrauchsschulung der Hand erforderlich. Bis zum Abschluss der Therapiemaßnahmen sollte eine kontinuierliche fachärztliche Kontrolle sichergestellt werden.

Autor

Renée Fuhrmann

Anzeige

Anzeige

© Springer 2017
Powered by kb-soft