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Coalitio talocalcanearis

Synonyme

Talokalkaneare Koalition; Talokalkaneare Synostose

Englischer Begriff

Talocalcaneal coalition; Talocalcaneal synostosis

Definition

Meist beidseitige fötale Segmentationsstörung der Fußwurzelknochen mit Ausbildung einer fibrösen (Syndesmose), knorpeligen (Synchondrose) oder knöchernen Verbindung (Synostose) in Höhe der mittleren Gelenkfacette von Kalkaneus und Talus.

Vorkommen

Die Coalitio talocalcanearis ist die häufigste angeborene Fußwurzelsynostose.

Diagnostik

Anamnestisch häufiges „Umknicken“, allmähliche Schmerzzunahme und Bewegungseinschränkung im Subtalargelenk, gelegentliche Schmerzexazerbation im Rahmen eines Bagatelltraumas. Klinisch meist Knickplattfußdeformität mit Abflachung der medialen Längswölbung ohne Rückfußaufrichtung im Zehenstand, selten Hohlfußkonfiguration oder physiologische Fußstellung. Eingeschränkte Beweglichkeit im Rückfuß vor allem für die Ferseninversion und Supination, selten Klonus der Peronealmuskulatur.

Röntgenologisch bei Standardprojektionen oft nicht ausreichend zu diagnostizieren, weshalb das Computertomogramm unerlässlich ist.

Differenzialdiagnose

Insuffizienz der Sehne des M. tibialis posterior mit Knickplattfuß, degenerative Veränderungen des Subtalargelenks und der Fußwurzel.

Therapie

Bei entsprechender Beschwerdesymptomatik ist eine mehrwöchige Ruhigstellung des Fußes im Gips oder einer Orthese indiziert. Ein solcher Behandlungszyklus kann bei Beschwerdepersistenz wiederholt werden. Etwa 50 % der Betroffenen profitieren langfristig von dieser Therapie, während die anderen 50 % einer operativen Therapie zugeführt werden müssen.

Akuttherapie

Im Jugendalter bei schmerzhafter Belastungsinsuffizienz des Fußes Unterschenkelgehgips über sechs bis zwölf Wochen.

Konservative/symptomatische Therapie

Orthesenbehandlung mit Korrektur der Rückfußfehlstellung und Unterstützung der medialen Längswölbung über drei bis sechs Monate. Bei Symptomrückbildung Schuhzurichtung indiziert.

Medikamentöse Therapie

Im akuten Schmerzstadium Kortikoidinjektion in den Sinus tarsi.

Operative Therapie

Der mediale Hautschnitt wird nach kranial konvex über dem Subtalargelenk angelegt. Nach Einkerben des Retinaculum flexorum und subtiler Weichteilpräparation kann zwischen der Sehne des M. flexor digitorum longus und der Sehne des M. flexor hallucis longus bzw. dem Gefäß-Nerven-Bündel zum Knochen präpariert werden. Die talokalkaneare Koalition kann jetzt schrittweise mit dem Meißel entfernt werden. Anteile der Sehne des M. flexor hallucis longus oder des M. abductor hallucis können in die Resektionshöhle interponiert werden.

Dauertherapie

Bei konservativer Therapie dauerhafte Fußbettung mit Unterstützung der medialen Längswölbung und Stellungskorrektur der Ferse. Nach der Resektion der Coalitio im Kindesalter ist nach etwa sechs bis zwölf Monaten keine weitere Therapie mehr erforderlich. Korrekturarthrodesen im Erwachsenenalter erfordern eine Schuhzurichtung (Fußbettung, Sohlenversteifung, Mittelfußrolle).

Bewertung

Neben der konservativen Behandlung im Kindesalter können kleine knöcherne Koalitionen auch frühzeitig operativ reseziert werden, wenn sich noch keine degenerativen Veränderungen im Subtalargelenk oder Talonavikulargelenk zeigen. Dies gilt auch für das Erwachsenenalter, solange die Coalitio eine Ausdehnung von 2–3 cm nicht überschreitet. Allerdings wird kontrovers diskutiert, ob gleichzeitig eine subtalare Arthrodese durchgeführt werden sollte. Bei übergewichtigen Patienten mit bereits vorhandenen degenerativen Veränderungen der Rückfußgelenke, rigider Rückfußfehlstellung und Bewegungseinschränkung im Subtalargelenk ist eine alleinige Resektion nicht mehr erfolgversprechend. Hier muss eine korrigierende subtalare Arthrodese durchgeführt werden.

Nachsorge

Postoperativ Anlegen eines Unterschenkelliegegipsverbands über zwei Wochen. Anschließend allmähliche Steigerung der Belastung in einem Unterschenkelgehgipsverband oder einem Walker über weitere sechs bis zehn Wochen. Fußbettung (Unterstützung der medialen Längswölbung) über weitere zwölf Monate.

Autor

Renée Fuhrmann

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