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Fußanomalie

Synonyme

Fußdeformität; Fußfehlbildung

Englischer Begriff

Foot deformity

Definition

Angeborene oder erworbene Störung der normalen Anatomie des Fußes.

Pathogenese

Angeborene Fußanomalien (z. B. Hackenfuß, Sichelfuß, Klumpfuß) sind meist auf eine intrauterine Raumbeengung, eine Störung des Muskelgleichgewichts, Schluss-Störungen des Neuralrohrs (z. B. Myelomeningozele) oder auf seltene Erkrankungen wie die Arthrogrypose zurückzuführen. Überzählige Strahlen (Polydaktylie) können ebenso wie Differenzierungsstörungen (Syndaktylie, Koalitionen) oder Spaltbildungen am Fuß auftreten. Auch neuromuskuläre Erkrankungen (z. B. spinale Muskelatrophie, Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung, hereditäre sensomotorische Neuropathie, Zerebralparese, Poliomyelitis) können ursächlich für die Entstehung von Fußanomalien sein. Posttraumatische Veränderungen (z. B. Fersenbeinfraktur, Kompartmentsyndrom) können ebenso wie entzündliche Erkrankungen (z. B. Infektion, rheumatoide Arthritis) zur Ausbildung einer Fußfehlstellung führen.

Symptome

Eine Fußanomalie kann äußerlich sichtbar sein (z. B. Polydaktylie, Klumpfuß) oder auch erst bei einer genauen klinischen und röntgenologischen Untersuchung zutage treten (z. B. Coalitio). Die Fehlbildung kann einzelne oder mehrere knöcherne Segmente und/oder auch die umgebenden Weichteile betreffen.

Diagnostik

Die Untersuchung der angeborenen Deformitäten ist meist auf den klinischen Befund und gegebenenfalls eine Sonographie beschränkt, da zum Zeitpunkt der Geburt nur wenige Knochenkerne vorhanden sind und damit eine röntgenologische Diagnostik nicht sinnvoll ist.

Erworbene Fußanomalien können neben dem klinischen Befund auch durch Einsatz bildgebender Verfahren untersucht werden, so dass neben den Weichteilveränderungen auch die knöchernen Deformitäten hinreichend erfasst werden können.

Prinzipiell wird jede Fußanomalie so analysiert, dass Achsenabweichungen im Rückfuß, in der Fußwurzel oder im Mittel- und Vorfuß in den verschiedenen Ebenen einzeln beschrieben werden. Das Bewegungsausmaß einzelner Gelenkabschnitte wird ebenso wie die Art der Fehlstellung (flexibel, kontrakt) dokumentiert.

Therapie

In Abhängigkeit von der Art und Ätiologie der Fußanomalie sind konservative oder operative Korrekturverfahren angezeigt. Angeborene Fehlstellungen werden prinzipiell zunächst konservativ behandelt. Weichteileingriffe sind frühestens ab dem sechsten Lebensmonat, knöcherne Eingriffe nicht vor Abschluss des zwölften Lebensmonats indiziert. Bei der Therapie der erworbenen Fußanomalien steht die Aufrechterhaltung bzw. das Wiedererlangen der Gehfähigkeit an erster Stelle. Hierzu sind meist operative Eingriffe an Weichteilen (Sehnen, Kapsel-Band-Strukturen) und dem knöchernen Skelett erforderlich.

Akuttherapie

Die angeborenen Fußanomalien werden unmittelbar postoperativ durch manuelle Redression und Immobilisation – soweit möglich – in die Normalstellung überführt. Eine Indikation zur frühzeitigen operativen Therapie stellen die angeborenen Schnürringsyndrome dar, bei denen die Weichteilstrikturen zum Erhalt der distalen Extremität gespalten werden müssen.

Konservative/symptomatische Therapie

Die konservativen Behandlungsmaßnahmen angeborener Fußanomalien bestehen in Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung in Physiotherapie oder einer manuellen Redression, an die eine Immobilisation angeschlossen wird. Nach Abschluss dieser Phase sind weitere physiotherapeutische Behandlungen und Schienenbehandlungen erforderlich. Je nach Erfolg der Maßnahmen wird in den ersten Lebensjahren die Indikation zu operativen Eingriffen überprüft.

Auch bei erworbenen Fußanomalien sind konservative Therapiemaßnahmen (Pysiotherapie, Orthesenbehandlung) möglich, die jedoch in aller Regel nicht ausreichend sind, um die Deformität ausreichend zu korrigieren.

Medikamentöse Therapie

Liegt die Ursache einer Fußanomalie in einer übermäßigen Kontraktion einzelner Muskelgruppen, kann die Injektion von Botulinumtoxin durch reversible Blockierung der Reizweiterleitung eine vorübergehende Befundbesserung bewirken.

Operative Therapie

Die operative Therapie besteht in Weichteileingriffen, die sich aus der Eröffnung von Gelenkkapseln sowie der Verlängerung, Raffung oder Verlagerung von Sehnen zusammensetzen können. Knöcherne Eingriffe beinhalten Stellungskorrekturen von Skelettanteilen oder Gelenken (Korrekturosteotomien) sowie Arthrodesen in Funktionsstellung.

Dauertherapie

Trotz adäquater Therapie angeborener oder erworbener Fußanomalien können Fehlstellungen oder Funktionseinbußen verbleiben, die eine individuelle Bettung oder externe Stützung des Fußes erforderlich machen.

Bewertung

Zahlreiche angeborene Fußanomalien (z. B. Hackenfuß, Sichelfuß) lassen sich durch eine längerfristige konservative Therapie meist erfolgreich behandeln. Komplexe Fehlbildungen (z. B. Klumpfuß) erfordern oft ein kombiniertes konservativ-operatives Vorgehen, wobei bleibende funktionelle Einschränkungen nicht auszuschließen sind. Erworbene Fußanomalien müssen meist operativ behandelt werden, wobei die Wiederherstellung der physiologischen Fußkonfiguration oft nur durch einzelne Gelenkversteifungen zu erreichen ist.

Nachsorge

Alle angeborenen Fußanomalien sollten bis zum Erreichen einer regelrechten Fußstellung fachärztlich kontrolliert werden. Erworbene Fußdeformitäten sollten ebenfalls zur Beurteilung der Progredienz regelmäßig kontrolliert werden, um den Zeitpunkt für ein erforderliches operatives Vorgehen ableiten zu können.

Autor

Renée Fuhrmann

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