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Seitenbandverletzung

Synonyme

Kollateralbandruptur; Innenbandruptur; Außenbandruptur; Verletzung des Lig. collaterale mediale/laterale

Englischer Begriff

Medial/lateral collateral ligament injury

Definition

Verletzung des Innen- oder Außenbands am Kniegelenk.

Pathogenese

Eine Verletzung des Innenbands entsteht durch Valgusstress, eventuell kombiniert mit Außenrotationsstress. Hierbei kommt es zu Verletzungen des oberflächlichen oder tiefen Bandanteils mit oder ohne Kontinuitätsunterbrechung. Da der tiefe Anteil mit dem Innenmeniskus verbunden ist, kann es dabei zu Verletzungen und Desinsertionen des Innenmeniskus kommen.

Verletzungen des Außenbands werden durch Varusstress verursacht. Isolierte Läsionen des lateralen Kniebands sind selten, häufig sind sie mit Verletzungen der Kreuzbänder kombiniert.

Symptome

Der Patient berichtet über Schmerzen und eventuell Hämatombildung und Schwellung im Bereich der Verletzung nach einem entsprechenden Trauma. Wegknicken und Instabilitätsgefühle sind bei isolierten Verletzungen nur bei ausgeprägten Läsionen zu erwarten.

Diagnostik

Klinische Untersuchung

Schwellungen und Hämatome geben einen ersten Hinweis auf den Ort der Verletzung nach einem Trauma. Bei der Palpation findet sich ein Schmerzmaximum über dem Rupturbereich. Intraartikuläre Ergussbildung besteht bei komplexen Läsionen mit Kapselzerreißungen, Meniskus- und Kreuzbandverletzungen. Ein großer Stellenwert kommt der Stabilitätsprüfung zu. Diese wird sowohl in Streckung als auch in 30°-Beugung durchgeführt. Eine vermehrte Aufklappbarkeit kann in drei Schweregrade unterteilt werden:

  • 1+ : ≤ 5 mm Gelenkspaltöffnung,
  • 2+ : 6–10 mm Gelenkspaltöffnung,
  • 3+ : > 10 mm Gelenkspaltöffnung.

Da bei der ersten Untersuchung nach dem Unfall häufig eine schmerzbedingte reflektorische Abwehrspannung besteht, ist die Stabilität nicht immer sicher zu beurteilen, so dass eine wiederholte klinische Untersuchung notwendig sein kann.

Nativradiologische Diagnostik

Standardmäßig werden nach einem Knietrauma Röntgenbilder anteroposterior und seitlich sowie eine Tangentialaufnahme der Patella angefertigt. Hier lassen sich knöcherne Verletzungen und vorbestehende Arthrose darstellen. Der knöcherne Ausriss des tiefen lateralen Kollateralbands ist als Segond-Fraktur nachweisbar. Diese kann wegen der häufig kombinierten Verletzung auch indirektes Zeichen einer Kreuzbandverletzung sein. Knöcherne Irregularitäten am medialen Epikondylus sind Zeichen einer alten Innenbandverletzung (Stieda-Pellegrini-Schatten).

Gehaltene Aufnahmen

Im Akutfall ist die Durchführung von gehaltenen Aufnahmen schmerzbedingt oft nicht möglich. Dagegen können bei chronischen Instabilitäten Valgus- und Varusstressaufnahmen einen Anhalt über das Ausmaß der Bandinsuffizienz geben, die klinische Untersuchung jedoch keinesfalls ersetzen.

Kernspintomographie

Die Kernspintomographie kann bei frischen Verletzungen den Ort der Läsion zeigen. Darüber hinaus gibt sie Aufschluss über Begleitverletzungen.

Differenzialdiagnose

Häufig kommt es am Kniegelenk zu kombinierten ligamentären Verletzungen, so dass eine exakte Stabilitätsprüfung aller Bänder durchzuführen ist. Kniegelenknahe Frakturen müssen in jedem Fall ausgeschlossen werden. Spontan reponierte Patellaluxationen mit Zerreißungen des medialen Retinakulums können ähnliche Symptome hervorrufen wie eine Innenbandverletzung. Schmerzen auf Höhe des medialen oder lateralen Gelenkspalts weisen auf eine Meniskusläsion hin.

Therapie

Konservative/symptomatische Therapie

Der flächige mediale Seitenbandkomplex weist ein sehr gutes spontanes Heilungspotential auf. Die funktionelle Behandlung mit Knieorthesen unter leichtem Varusstress zur Entlastung der medialen Strukturen und Teilbelastung wird empfohlen. In der Behandlung ist zu beachten, dass in voller Streckung und starker Beugung die größte Spannung besteht, so dass das Bewegungsausmaß zunächst auf 0°/10°/90° limitiert bleiben sollte. Aufgrund der guten Ergebnisse nach konservativer Behandlung besteht eine Indikation zur Operation nur bei tibialem Ausriss mit Dislokation des freien Endes und interligamentärer Kapsel-Band-Ruptur auf Höhe des Gelenkspalts mit Desinsertion des Innenmeniskus.

Das spontane Heilungspotential des lateralen Seitenbandkomplexes ist dagegen deutlich schlechter ausgeprägt, so dass hier die Operationsindikation großzügig gestellt werden sollte.

Operative Therapie

Bei tibialem Ausriss des Innenbands erfolgt die Refixation an der anatomischen Insertionsstelle unter dem Ansatz der Pes-anserinus-Sehnengruppe. Hierfür erfolgt eine gerade mediale Hautinzision. Unter Schonung der Äste des N. saphenus erfolgt die Präparation des Innenbands und des Pes anserinus. Die Refixation kann mit Fandenankern oder einer Schraube mit Krampenunterlegscheibe erfolgen.

Interligamentäre Rupturen mit Desinsertion des Innenmeniskus erfordern ebenfalls eine operative Behandlung. Der Kapsel-Band-Komplex wird mit durchgreifenden Nähten an der Meniskusbasis stabil fixiert. Dies kann offen oder arthroskopisch in der Inside-out-Technik erfolgen.

Bei chronischer Innenbandinsuffizienz stehen mehrere Verfahren zur Verfügung. Durch Raffung oder Versetzung der knöchernen Insertionsstelle am medialen Kondylus wird die Bandspannung erhöht. Eine Innenbandplastik mit Fascia-lata-Streifen oder Sehnen (z. B. Quadrizeps, Semitendinosus) zur Augmentation kann ebenfalls durchgeführt werden, wobei aufgrund der komplexen Isometrieverhältnisse meist nur das hintere Schrägband ersetzt wird.

Bei der operativen Versorgung des Außenbands muss insbesondere auf den N. peroneus geachtet werden. Selten sind reine Durchflechtungsnähte bei interligamentären Rupturen ausreichend, so dass häufig Augmentationen mit anderen Sehnen oder der Fascia lata notwendig werden. Knöcherne Ausrisse am Fibulaköpfchen können je nach Fragmentgröße beispielsweise mit einer Schraube refixiert werden.

Nachsorge

Häufig erfolgt eine kombinierte Versorgung des Außenbands mit dem hinteren Kreuzband. In diesen Fällen richtet sich die Nachbehandlung nach dem hinteren Kreuzband.

Bei isolierter Versorgung des Innen- oder Außenbands oder Versorgung in Kombination mit dem vorderen Kreuzband empfiehlt sich die funktionelle Nachbehandlung in einer Knieorthese mit leichtem Valgus- bzw. Varusstress bis zur dritten postoperativen Woche in einem Bewegungsausmaß von 0°/20°/60° und bis zur sechsten Woche von 0°/10°/90°.

Autor

Matthias Kusma

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