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Hemipelvektomie

Englischer Begriff

Hemipelvectomy

Definition

Amputation, bei der die Beckenhälfte teilweise oder ganz entfernt wird. Die Hemipelvektomie ist ein außerordentlich verstümmelnder Eingriff mit Verlust des Sitzbeinhöckers und der Darmbeinschaufel zumindest in Teilen. Hierdurch resultieren eine Änderung der Körpersymmetrie und ein Verlust der stabilen Kontaktfläche zum Sitzen.

Indikation

Meist maligne Tumoren, selten schwere Kompressionsverletzungen oder Gasbrand bzw. Infektionen.

Durchführung

Halbschräge oder seitliche Lagerung. Zielsetzung sollte auf einer Narbenlage außerhalb der Belastungszone liegen, also dorsoventral sowie eine gute Hautlappendeckung. Als Alternative zur Deckung mit einem Muskelhautlappen bieten sich der Quadrizeps oder die Adduktoren an.

Ventraler Hautschnitt vom Tuberculum pubicum über das Leistenband zur Spina iliaca anterior superior und entlang dem Beckenkamm nach dorsal, Ablösen der Abdominalmuskulatur, Abschieben von Blase- und Samenstrang, Durchtrennung und Ligatur von A. iliaca externa und V. iliaca externa sowie des N. femoralis. Dann beim abgespreizten Bein Hautschnitt vom Tuberculum pubicum zum Sitzbeinhöcker, Darstellung von Sitz- und Schambein, Durchtrennung der Symphyse oder (wenn ein Erhalt der Sitzbeinhöcker möglich scheint) der Sitz- und Schambeinäste weiter lateral. Im dorsalen Anteil Fortsetzung des Hautschnitts bis zur Spina iliaca posterior superior und weiter über das Trochantermassiv nach dorsal bis zur peronealen Inzision. Präparation des M. gluteus maximus, Bilden eines großen Muskelhautlappens aus dem M. gluteus maximus, der nach dorsal geschlagen wird. Anschließend Präparation und Ligatur des Ischias, Absetzen der Beckenschaufel mit der Säge sowie Vervollständigung der Amputation.

Möglicher zusätzlicher Eingriff Resektion von Enddarm, Anus praeter, Resektion von Urethra und Blase, Ureterostomie, Resektion der weiblichen Genitalie bzw. des Skrotums.

Nachbehandlung

Sitzschale erforderlich, Beckenkorbprothese.

Autor

Bernhard Greitemann

FA Orthopädie, Physikalische und rehabilitative Medizin, Chefarzt und Ärztlicher Direktor Klinik Münsterland am Reha-Klinkum Bad Rothenfelde der DRV
Vorsitzender Vereinigung Techn. Orthopädie der DGOU und DGOOC
Vorsitzender Beratungsausschuss der DGOOC für das Orthopädieschuhtechnikhandwerk

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