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Claudicatio intermittens

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Englischer Begriff

Intermittent claudication

Definition

Intermittierend bei Belastung auftretende Schmerzen in den Beinen, die zur Gehbeeinträchtigung führen.

Vorkommen

  1. Vaskuläre Ursache: Stenosen der Becken- und Beinarterien. Beim Gehen kommt es durch den erhöhten Sauerstoff- und Glukoseverbrauch der Muskulatur zu einer stenosebedingten Mangeldurchblutung, die sich in einem Ischämieschmerz äußert und den Betroffenen zum Stehenbleiben zwingt. In Ruhe reicht in diesem Stadium der Erkrankung die Durchblutung noch aus. Inzidenz: 2–7 / 1000 Einwohner pro Jahr.
  2. Spinale Ursache (Claudicatio intermittens spinalis): Kompression der nervalen Strukturen, bedingt durch einen oft konstitutionell engen Spinalkanal, welche zu Schmerzen und neurologischen Ausfällen führt. Häufig werden die Patienten erst durch zusätzliche degenerative Veränderungen der Wirbelsäule symptomatisch. Stehenbleiben reicht meist nicht aus, um die Schmerzen zu bessern. Hinsetzen, Beugen des Rückens und Kauern bringen Erleichterung.

Diagnostik

  1. Gefäßdiagnostik: Doppler-Ultraschall, Messung des systolischen Verschlussdrucks der Knöchelarterien, Angiographie, Einordnung der Symptomatik in die Fontaine-Stadien (siehe Tabelle 1).
  2. Spinale Magnetresonanztomographie, eventuell Funktionsaufnahmen.

Tabelle 1.
Fontaine-Stadien.

Stadien

Symptome

Therapie

Fontaine-Stadium I

Beschwerdefreiheit, ausreichende Kollateralisation, fehlende periphere Pulse

konservativ

Fontaine-Stadium IIa

Belastungsschmerz, Claudicatio intermittens, beschwerdefreie Gehstrecke > 200 m

bei aktiven Menschen eventuell operative Therapie

Fontaine-Stadium IIb

Belastungsschmerz, Claudicatio intermittens, beschwerdefreie Gehstrecke < 200 m

Revaskularisationsverfahren, endovaskuläre Therapie

Fontaine-Stadium III

Ruheschmerz der Extremität bei horizontaler Lage, Nachlassen bei Tieflagerung

Revaskularisationsverfahren

Fontaine-Stadium IV

trophische Störungen, Gangrän (trocken/feucht)

Revaskularisationsverfahren


Differenzialdiagnose

Vaskuläre versus spinale Genese.

Therapie

Konservative/symptomatische Therapie

  1. Vaskulär: Gehtraining.
  2. Spinal: Physiotherapie.

Medikamentöse Therapie

  1. Vaskulär: Thrombozytenaggregationshemmer, vasoaktive Substanzen wie z. B. Naftidrofuryl; Behandlung mit Statin, wenn Total- oder LDL-Cholesterin zu hoch oder HDL-Cholesterin zu niedrig ist.
  2. Spinal: Antiphlogistika.

Operative Therapie

  1. Chirurgische Revaskularisation, endovaskuläre Verfahren. Verfahren sind je nach Gefäßstatus, Risikofaktoren und Allgemeinzustand des Patienten zu sehen. Wichtig sind der Blutzufluss im iliakalen Bereich und der distale Gefäßzustand.
  2. Dekompression der spinalen Enge.

Dauertherapie

Behandlung von Diabetes, Hyperlipidämie; Aufgeben des Rauchens; Behandlung mit Thrombozytenaggregationshemmern.

Nachsorge

Physiotherapie, Gehtraining.

Autor

Iris Reuter


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