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Fibuladefekte

Synonyme

Fibulahypoplasie; Fibulaaplasie; Fibuladysplasie; Longitudinaler fibularer Defekt

Englischer Begriff

Fibular dysplasia; Fibular aplasia

Definition

Angeborene Fehlbildung des Skeletts an der unteren Extremität im Sinn eines longitudinalen Defekts mit unterschiedlichen Arten von Hypoplasien und Aplasie der Fibula sowie des lateralen Fußstrahls.

Vorkommen

Fehlbildungen an den unteren Extremitäten sind seltener als an den oberen Extremitäten. Etwa ein Drittel der Kinder mit Extremitätenfehlbildungen sind mehrfach geschädigt. Bei den angeborenen Skelettfehlbildungen der Längsachse unterscheidet man an den unteren Extremitäten solche des Femurs, der Fibula und der Tibia. Isoliert treten sie eher selten auf; man beobachtet relativ häufig Kombinationsdefekte bei den fibularen Fehlbildungen meist mit Beteiligung des fibularen Strahls. Man unterscheidet zwischen Hypoplasie der Fibula und hier wiederum zwischen dem proximalen und dem distalen Teil sowie einer Fibulaaplasie.

Diagnostik

Klinische Untersuchung mit Palpation der Fibula. Der Unterschenkel erscheint meist unterentwickelt. Bei Fehlen der distalen Fibula bzw. einer Aplasie der Fibula resultiert eine inkomplette Knöchelgabel und Instabilität des Sprunggelenks. Häufig besteht als Begleitsymptomatik eine Verkürzung und Antekurvation der Tibia sowie eine Valgusstellung im Kniegelenk und Equinovalgusstellung des Fußes. Begleitend fehlt häufig der laterale Strahl des Fußes. Die Wadenbeinmuskulatur ist manchmal nicht angelegt. Begleitend besteht häufig eine Beinverkürzung. Manchmal findet man einen narbig-bindegewebigen Reststrang der Fibula.

Therapie

Der partielle Fibuladefekt ist meist symptomlos. Beim distalen Defekt primär konservativ Schienenbehandlung zur Korrektur der Fußfehlstellung, insbesondere des Spitzfußes. Falls eine starke Hyperplasie des Unterschenkels mit Beinverkürzung vorliegt, sollte allerdings der Spitzfuß in leichterem Grad belassen werden, um die Beinverkürzung etwas einzuschränken. Frühkontrakturen werden mit Weichteileingriffen therapiert, eine Gelenkinstabilität im Sprunggelenk kann später gegebenenfalls über eine Arthrodese korrigiert werden. Bei begleitender Tibiapseudarthrose infolge von Spontanfrakturen bei der Tibiaantekurvation ist darauf zu achten, dass der fibulare Reststrang (narbig reseziert) wird.

Autor

Bernhard Greitemann

FA Orthopädie, Physikalische und rehabilitative Medizin, Chefarzt und Ärztlicher Direktor Klinik Münsterland am Reha-Klinkum Bad Rothenfelde der DRV
Vorsitzender Vereinigung Techn. Orthopädie der DGOU und DGOOC
Vorsitzender Beratungsausschuss der DGOOC für das Orthopädieschuhtechnikhandwerk

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