Springer-Verlag
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z 0-9

Wundrandnekrose

Englischer Begriff

Wound edge necrosis

Definition

Sekundäre Nekrose eines zum Wundverlauf in etwa parallelen Gewebestreifens. Gelegentlich werden auch sekundäre Nekrosen von genähten Wunden in einem Kontusionsbezirk als Wundrandnekrosen bezeichnet, wobei die Nekrose jedoch auf der vorangegangenen Kontusion beruht. Diese Bezeichnung sollte vermieden werden.

Vorkommen

Die Wundrandnekrose entsteht infolge einer Störung oder Unterbrechung der Ernährung eines bestimmten Wundrandbereichs, die aus der Verletzung oder Stauung nutritiver Gefäße resultiert. Ursächlich ist in der Regel eine zu starke Spannung bei der Wundadaptation, wobei Fäden und Klammern das Gewebe strangulieren, wodurch Durchblutungsschäden resultieren, die so stark sein können, dass es zur Wundrandnekrose kommt. Besonders gefährdet, eine Wundrandnekrose zu entwickeln, ist die Haut älterer Menschen sowie von Patienten mit Hauterkrankungen, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Kollagenosen oder Diabetes mellitus.

Die Wundrandnekrose kann sowohl primär aseptisch (in der Regel bei trockener Nekrose) als auch kontaminiert, d. h. mit Bakterien besiedelt, oder infiziert sein (häufig feuchte Nekrose). Häufigste Erreger sind Staphylokokken.

Diagnostik

Genaue Inspektion der Wunde. Zeigt die Wunde klinische Infektzeichen, ist von einer Infektion auszugehen. Wichtig ist weiterhin die Abnahme eines Abradats für die bakteriologische Untersuchung, um eine Infektion zu bestätigen oder auszuschließen. Unter laufender systemischer Antibiose sind negative Abstrichergebnisse kritisch zu bewerten.

Weiterhin ist eine tiefe Wundinfektion auszuschließen. Hierzu kommen neben klinischer Untersuchung und Labordiagnostik mit Blutbild, CRP und Blutsenkungsgeschwindigkeit die Sonographie und die Magnetresonanztomographie zur Anwendung.

Differenzialdiagnose

Therapie

Chirurgisch

Medikamentöse Therapie

Postoperativ antibiogrammgerechte systemische Antibiose. Liegt (noch) kein Keimnachweis vor, erfolgt die kalkulierte Antibiotikatherapie (z. B. mit Cephalosporinen oder Penicillin).

Operative Therapie

Liegt keine Infektproblematik vor, ist die Revision der Wunde mit Wundrandexzision, Entfernung von Nekrosen und Sekundärnaht nach Wundrandmobilisation ausreichend. Einsendung intraoperativ gewonnenen Gewebes zur bakteriologischen Untersuchung. Liegt eine Infektproblematik vor, siehe Wundinfektion.

Bewertung

Zur Vermeidung von Wundrandnekrosen sollten alle Nähte, sowohl in tiefen als auch in oberflächlichen Schichten, möglichst ohne Spannung ausgeführt werden. Im Zweifelsfall sollte primär Hautersatzmittel verwendet und lokale Antibiotikaträger eingelegt werden. Nach wenigen Tagen (sieben bis zwölf Tagen) ist die Sekundärnaht durchzuführen.

Nachsorge

Inspektion der Wunde bereits am ersten postoperativen Tag, um eine erneute Problematik frühzeitig zu erkennen. Postoperative Hochlagerung der sekundär genähten Extremitätenabschnitte sowie Ruhigstellung in entsprechenden Lagerungsschienen.

Im weiteren Verlauf klinische Kontrolle der sekundären Wundheilung und der Laborparameter. Abschlusskontrolle nach vollständiger Wundheilung, weitere Nachsorge nicht erforderlich.

Autor

Matthias Bühler, Hergo Schmidt

Anzeige

Anzeige

© Springer 2017
Powered by kb-soft