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Nervenwurzelausriss

Englischer Begriff

Nerve root avulsion

Definition

Ausriss der Nervenwurzel aus dem Rückenmark.

Pathogenese

Wurzelausrisse kommen bei schweren Armplexusverletzungen vor. Nach Mumenthaler fanden sich bei 200 operierten Armplexusverletzungen in 74 % der Fälle Nervenwurzelausrisse. Der Pathomechanismus besteht in einem Längszug am Arm oder Tiefertreten der Schulter in Kombination mit Drehung des Kopfs zur Gegenseite, dabei werden insbesondere der mittlere Primärstrang und die Wurzel C7, bei noch stärkerer Zugbelastung auch die Wurzeln C8 und Th1 belastet und können ausreißen. Die unteren Wurzeln sind nicht am Foramen fixiert und können leichter einen Ausriss erleiden als die oberen.

Symptome

Blutiger Liquor, initiale oder verzögerte Rückenmarkssymptome, Horner-Syndrom (Läsion der Wurzel C8 und Th1), „Phantomglied“, erhaltene Schweißsekretion im denervierten Bereich, sensible und motorische Ausfälle.

Diagnostik

Neurologische Untersuchung.

Magnetresonanztomographie zur Darstellung des Rückenmarks bei Rückenmarksyndromen; Myelocomputertomographie mit resorbierbarem Kontrastmittel (leere Wurzeltaschen); Computertomographie zur Darstellung des Ausflusses des Kontrastmittels, Hämatome und Läsionen des Rückenmarks.

Neurophysiologie: Nervenleitgeschwindigkeitsmessung, Prüfung der faradischen Erregbarkeit der gelähmten Extremität, Erhalt der sensiblen Nervenaustrittspunkte, Denervierung in der Nackenmuskulatur (Ramus dorsalis); somatosensibel evozierte Potentiale: Erhalt des Plexuspotentials nach Stimulation der Armnerven und Verlust des zervikalen Potentials. Einschränkend muss erwähnt werden, dass die neurophysiologische Untersuchung durch kombinierte Läsionen oft nicht eindeutig ist.

Lumbalpunktion: blutiger Liquor.

Differenzialdiagnose

Reine Plexusläsionen, Muskelverletzungen, Schädigung der Rotatorenmanschette.

Therapie

Siehe Armplexusläsion. Versorgung des Nervenwurzelausrisses erfolgt operativ.

Akuttherapie

Wundversorgung bei offenen Verletzungen, Nervenwurzelversorgung bei Sekundäreingriff.

Medikamentöse Therapie

Antiphlogistika, Analgetika, bisher keine neuroregenerativ wirkenden Medikamente.

Operative Therapie

Siehe Plexusläsion. Versuch der Reimplantation bisher wenig erfolgversprechend, Neurotisation der distalen Nervenwurzel (siehe Nervenwurzelläsion), Muskelersatzoperationen.

Dauertherapie

Krankengymnastik

Bewertung

Reimplantation: bisher wenig erfolgreich.

Neurotisation: Wiederherstellung einer nützlichen Funktion je nach Abhängigkeit der Gelenkfunktion ca. 70 %.

Nachsorge

Krankengymnastik

Autor

Iris Reuter

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