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Fingerdeviation

Synonyme

Achsenabweichung des Fingers; Rotationsfehler des Fingers

Englischer Begriff

Malalignment of the finger

Definition

Achsenabweichung eines Fingers unterschiedlicher Ursache.

Vorkommen

Zur Achsenabweichung eines Fingers kann es bei angeborenen Deformitäten (z. B. Klinodaktylie), posttraumatisch nach fehlverheilten Frakturen oder Gelenkluxationen, Weichteilkontrakturen (z. B. Morbus Dupuytren) oder degenerativen Veränderungen (z. B. Heberden-Arthrose) kommen.

Diagnostik

Die klinische Untersuchung umfasst neben der Funktionsdiagnostik die Untersuchung der Gelenkstabilität des Metakarpophalangeal- und der Interphalangealgelenke. Eine knöchern determinierte Achsenabweichung lässt sich inspektorisch durch die Seitabweichung nach radial und ulnar gut erfassen und führt beim Faustschluss oft zu einem Überkreuzungsphänomen mit einem der benachbarten Finger. Bei einer Rotationsfehlstellung erkennt man beim Faustschluss das Ausmaß des Drehfehlers an der Ausrichtung des Fingernagels. Ausgeprägte Gelenkinstabilitäten der Interphalangealgelenke lassen sich durch bimanuelle Untersuchungen in verschiedenen Gelenkpositionen genauer klassifizieren.

Therapie

Eine transversale oder rotatorische Achsenabweichung wird behandlungsbedürftig, wenn sie zu funktionellen Einschränkungen oder Beschwerden führt. In der Regel erfolgt dann eine operative Korrektur.

Konservative/symptomatische Therapie

Prinzipiell ist bei Vorliegen einer Gelenkinstabilität eines Interphalangealgelenks eine konservative Therapie möglich. Diese besteht in einer externen Stabilisierung des Gelenks durch Tape-Verbände oder Orthesen. Weichteilbedingte Kontrakturen können durch orthesengestützte Vorbehandlung aufgedehnt werden, wobei dies in der Regel der Vorbereitung einer operativen Korrektur dient.

Operative Therapie

Die operative Therapie richtet sich nach der morphologischen Deformität. Fehlverheilte Frakturen werden osteotomiert, reponiert und übungsstabil fixiert. Gelenkinstabilitäten mit nachfolgender Deviation können, wenn sie auf eine Insuffizienz des Kollateralbandapparats zurückgehen, durch eine Naht oder Rekonstruktion behoben werden. Weichteilbedingte Kontrakturen werden durch Auflösung hypertropher Narben oder lokale Lappenplastiken behandelt. Kontrakturen der Palmaraponeurose können durch Ausbildung eines paratendinösen Strangs zur Seitabweichung eines Fingers führen. Durch die Resektion des Strangs kann eine Reorientierung des Fingers erreicht werden. Degenerative Gelenkveränderungen, die mit einer Achsenabweichung einhergehen, können im Endglied- und Mittelgliedniveau durch eine Arthrodese in Funktionsstellung therapiert werden.

Bewertung

Die morphologisch determinierten Achsenabweichungen lassen sich in aller Regel durch rekonstruktive operative Maßnahmen beheben. Dies kann jedoch bei begleitender Arthrose des betreffenden Gelenks mit einer Funktionsbeeinträchtigung durch die Arthrodese einhergehen.

Nachsorge

Postoperativ ist bis zum Abschluss der Weichteil- bzw. Knochenheilung eine engmaschige fachärztliche Kontrolle erforderlich. Nach der operativen Behandlung von Weichteilkontrakturen ist oft eine dynamische Schienenbehandlung erforderlich, die mindestens bis zum Abschluss der zwölften postoperativen Woche kontrolliert werden sollte.

Autor

Renée Fuhrmann

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