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Ballen

Synonyme

Frostballen; Pseudoexostose; Dorsaler Ballen

Englischer Begriff

Bunion; Pseudoexostosis; Dorsal bunion

Definition

Medial oder dorsal knöcherne Prominenz des ersten Mittelfußkopfs.

Pathogenese

Bei einem Spreizfuß kommt es zur Vergrößerung des Winkels zwischen dem ersten und zweiten Mittelfußknochen (Metatarsus primus varus, Spreizfußwinkel), wodurch der erste Mittelfußkopf medial konturgebend wird. Vergesellschaftet ist dies in der Regel mit einem Hallux valgus. Da es sich beim Ballen nicht um eine echte Knochenneubildung handelt, spricht man von einer Pseudoexostose.

Ein dorsaler Ballen kann sich hingegen bei Vorliegen eines Hallux rigidus auf der Oberfläche des ersten Mittelfußkopfs entwickeln. Dabei handelt es sich um eine reaktive Knochenneubildung (Osteophyt) am Knorpel-Knochen-Übergang.

Symptome

Der mediale Ballen imponiert durch Rötung und Schwellung, Druckbeschwerden im geschlossenen Schuhwerk, Verbreiterung des Vorfußes (Spreizfuß) und Ausbildung eines Hallux valgus. Oft entwickelt sich über dem Ballen zusätzlich eine Bursitis. Der dorsale Ballen als Kennzeichen des Hallux rigidus ist meist mit einer Bewegungseinschränkung im Großzehengrundgelenk verbunden.

Diagnostik

Die Tastuntersuchung dient der Abgrenzung einer medial oder dorsal ausgebildeten knöchernen Prominenz des Mittelfußkopfs (Ballen) von einer Weichteilschwellung (Bursitis). Das Röntgenbild des Vorfußes in zwei Ebenen erlaubt die Abgrenzung des Ballens von anderen knöchernen Erkrankungen.

Differenzialdiagnose

Knöcherne Auftreibung des ersten Mittelfußkopfs durch Knochenzyste oder Knochentumor, Verkalkung der gelenkumgebenden Weichteile, Gichttophi, Bursitis.

Therapie

Je nach Beschwerdesymptomatik, Befundausprägung und körperlicher Aktivität sind konservative oder operative Behandlungsmaßnahmen möglich.

Akuttherapie

Konsequente Vermeidung von Druckbelastung über dem Ballen (offenes Schuhwerk), lokale Anwendungen von Eis und/oder Antiphlogistika bei Vorliegen einer Bursitis.

Konservative/symptomatische Therapie

Anpassung des Schuhwerks (Aufweiten des Schuhoberleders, Verordnung von maßangefertigten Schuhen), Weichpolsterung des Ballens.

Medikamentöse Therapie

Lokale Applikation von Antiphlogistika.

Operative Therapie

Bei einem medialen Ballen kann eine Verkleinerung des Spreizfußwinkels durch Osteotomie des ersten Mittelfußknochens erfolgen. Ziel der Operation ist eine weitgehend parallele Orientierung der ersten beiden Mittelfußstrahlen. Die knöcherne Korrektur kann je nach Ausmaß der Fehlstellung hinter dem Mittelfußkopf (retrokapitale Osteotomie), in Schaftmitte (diaphysäre Osteotomie) oder am körpernahen Mittelfußknochen (proximale Osteotomie) durchgeführt werden.

Ein dorsaler Ballen kann operativ abgetragen werden, um die lokalen Druckbeschwerden zu vermeiden. Liegt gleichzeitig ein behandlungsbedürftiger Hallux rigidus vor, so müssen weitere operative Maßnahmen (Cheilektomie, Grundgliedosteotomie, Großzehengrundgelenksarthrodese oder Großzehengrundgelenksendoprothese) angeschlossen werden.

Dauertherapie

Ein medialer oder dorsaler Ballen bleibt nach seinem Auftreten dauerhaft bestehen und kann sich unbehandelt durch Aufweitung des Spreizfußwinkels weiter vergrößern. Die konservative Behandlung zielt auf eine Behebung der druckbedingten Beschwerden und ist bei entsprechenden Risiken oder fehlendem Operationswunsch als Dauertherapie anzusehen. Nach der operativen Korrektur mit Reduktion des Spreizfußwinkels ist von einer bleibenden Beseitigung des Ballens auszugehen, so dass in der Regel Konfektionsschuhwerk oder zugerichtetes Schuhwerk getragen werden kann. Eine Dauertherapie ist nach erfolgter operativer Therapie in der Regel nicht erforderlich.

Bewertung

Die konservative Therapie ist zur Beseitigung der druckbedingten Beschwerden über dem Ballen geeignet, hat jedoch keinen kausalen Therapieansatz. Ein alleiniges Abtragen des medialen Ballens ist zur dauerhaften Beseitigung des Ballens ebenfalls nicht erfolgversprechend. Allein eine Verkleinerung des Spreizfußwinkels ist die Voraussetzung zur anhaltenden Beseitigung des medialen Ballens.

Nachsorge

Eine Spreizfußkorrektur durch Osteotomie des ersten Mittelfußknochens erfordert eine teilweise Entlastung des Vorfußes bis zum Eintreten der knöchernen Heilung (vier bis zwölf Wochen). Dies kann durch Teilbelastung des Fußes an Unterarmgehstützen oder durch Verwendung einer Vorfußentlastungsorthese erfolgen.

Autor

Renée Fuhrmann

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