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Dyskinetische Syndrome

Synonyme

Tardive Dyskinesie

Englischer Begriff

Dyskinetic syndromes

Definition

Als dyskinetische Syndrome werden Syndrome mit einer Störung des normalen Bewegungsablaufs (Kinese = Bewegung) bezeichnet. Damit ist in der Regel die tardive Dyskinesie (Spätdyskinesie) gemeint.

Vorkommen

Tardive Dyskinesien können während und nach der Exposition mit Dopaminrezeptorblockern auftreten. Die Persistenz kann auch lange nach dem Absetzen der verursachenden Pharmaka anhalten. Die Spätdyskinesiesyndrome werden klinisch oft schlechter oder machen sich erst bemerkbar bei Absetzen der Dopaminrezeptorblocker. Sie bessern sich oft bei Wiedereinsatz der Dopaminrezeptorblocker oder Erhöhung der Dosis. Der Begriff „tardiv“ (spät) wird verwendet, weil das Syndrom zunächst bei Patienten beschrieben wurde, die chronisch Dopaminrezeptorblocker (Neuroleptika) einnahmen. Mittlerweile ist bekannt, dass Syndrome der tardiven Dyskinesie nicht „spät“, sondern schon innerhalb von Tagen nach der Gabe von Dopaminrezeptorblockern auftreten können. Kriterium für die Diagnose einer tardiven Dyskinesie ist die Dauer der Latenzphase zwischen Exposition mit einem Dopaminrezeptorblocker und dem Auftreten der Bewegungsstörung sowie die Dauer der Persistenz nach Absetzen des induzierenden Pharmakons. Sechs Monate gilt als maximale Latenzphase und ein Monat als minimale Persistenz.

Die Dyskinesia tarda (tardive Dyskinesie) bezeichnet ein extrapyramidales Syndrom, bei dem choreatische, ballistische und athetoide Hyperkinesen, vor allem im Gesichtsbereich (Schmatz- und Kaubewegungen) sowie an Händen und Füßen auftreten. In ca. einem Viertel der Fälle liegt die meist irreversible Ursache in einer Neuroleptikalangzeitmedikation. Höhere Dosen scheinen das Auftreten der Symptome zu begünstigen. Bei dem Syndrom der tardiven Dyskinesie finden sich bei Patienten, die antipsychotisch behandelt werden, eventuell irreversible unwillkürliche, dyskinetische Bewegungen. Obwohl die Prävalenz meist auf ältere Frauen beschränkt ist, ist es nicht möglich, das Auftreten der tardiven Dyskinesie vorherzusagen. Ob antipsychotische Medikamente unterschiedliches Potential zur Entwicklung der tardiven Dyskinesie besitzen, ist unklar. Sowohl das Risiko, eine tardive Dyskinesie zu entwickeln, als auch die Wahrscheinlichkeit der Irreversibilität steigen mit der Dauer der Anwendung und der totalen kumulativen Dosis der Antipsychotika.

Diagnostik

Klinische Untersuchung.

Differenzialdiagnose

Neuroleptikagabe, Shy-Drager-Syndrom, posttraumatische nächtliche Dystonie-Dyskinesie.

Therapie

Es gibt keine anerkannte Therapie für die tardive Dyskinesie, obwohl das Syndrom sich nach Absetzen der Medikation bessern kann. Die antipsychotische Behandlung selbst kann aber die Symptome des Syndroms unterdrücken und daher den zugrunde liegenden Prozess verdecken. Die Langzeitbedeutung der Unterdrückung der Symptome ist nicht bekannt. Daher sollte die chronische antipsychotische Medikation so gehalten werden, dass das Risiko einer tardiven Dyskinesie minimiert wird.

Autor

Johannes Mortier

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