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Sehnenruptur

Synonyme

Sehnenriss; Sehnenabriss

Englischer Begriff

Tendon rupture

Definition

Kontinuitätsunterbrechung einer Sehne mit Funktionsverlust oder -reduktion.

Pathogenese

Komplette Sehnenrisse entstehen bei direkter Gewalteinwirkung oder durch plötzliche Maximalbeanspruchung. Unter extremer Belastung kann selbst eine gesunde Sehne reißen. Meist besteht jedoch ein degenerativer, traumatischer oder toxischer Vorschaden der Sehne. Rezidivierende Mikrotraumen, muskuläre koordinative Dysfunktion und Abnahme der Durchblutung im Alter spielen ebenfalls eine Rolle. Inkomplette (partielle) Sehnenrupturen verlaufen zumeist schleichend, wobei die Funktion des betroffenen Muskel-Sehnen-Komplexes bei geringerer Belastungsintensität erhalten ist. Komplette Rupturen sind durch einen kompletten Funktionsausfall gekennzeichnet.

Symptome

Der Patient gibt Schmerzen im Bereich der betroffenen Sehne vor allem bei Belastung an. Handelt es sich um eine Partialruptur aufgrund von degenerativen Erscheinungen ist eine Verdickung der betroffenen Sehne im Bereich der Ruptur auffällig. Besonders oberflächlich gelegene Sehnen wie beispielsweise die Tibialis-anterior-Sehne oder die Achillessehne (siehe Abb. 1) sind somit einer Untersuchung gut zugänglich. Bei der kompletten Ruptur klagen die Patienten oft über eine Dellenbildung im Rupturbereich sowie über den typischen Funktionsverlust. Je nach anatomischer Lokalisation sind entsprechende klinische Untersuchungstechniken und Tests beschrieben. Sowohl akute als auch chronische Rupturen sowie Partialrupturen sind äußerst schmerzhafte Erkrankungen, wobei besonders der Anlaufschmerz sowie der Schmerz nach Belastung typische Zeichen sind.


Abb. 1.
Bild einer Achillessehnenruptur mit retrahiertem Sehnenstumpf rechts. Die Plantarissehne ist als Leitstruktur noch vorhanden.

Diagnostik

Neben der klinischen Untersuchung mit Bewegungsprüfung und Palpation sowie spezifischen Tests führen Sonographie und Magnetresonanztomographie zur Diagnose.

Differenzialdiagnose

Sämtliche neurologischen Störungen, die zu einem vergleichbaren Funktionsverlust führen. Bei Schwellung sind ein Ganglion, ein Tumor oder ein lokales Hämatom zu bedenken.

Therapie

Chronische Überlastungsschäden werden in der Regel anfangs konservativ, traumatische Rupturen eher operativ behandelt.

Akuttherapie

Im Falle einer Tendinopathie oder einer Insertionstendinitis ohne komplette Ruptur empfehlen sich Schonung sowie lokale Kryotherapie. Komplette Rupturen müssen ruhiggestellt und einer möglichst raschen Diagnostik zugeführt werden.

Konservative/symptomatische Therapie

Reduzierung oder Modifikation der Belastung, nicht-steroidale antiinflammatorische Medikation, physikalische Therapie, Versorgung mit selektiv ruhigstellenden oder funktionellen Orthesen.

Medikamentöse Therapie

Antiphlogistika

Operative Therapie

Die komplette Ruptur der Sehne wird meist einer chirurgischen Therapie zugeführt. Falls eine Naht der Sehne aufgrund eines ausgedehnten Defekts nicht möglich ist, können Sehnenplastiken mit Ersatzsehnen oder Umkipp-Plastiken durchgeführt werden (siehe Sehnenplastik). Bei frischen traumatischen Läsionen stehen auch minimalinvasive Verfahren in Abhängigkeit von der Lokalisation zur Verfügung.

Die operative Therapie von chronischen Überlastungsverletzungen besteht in der Exzision von degenerativem Gewebe und Vernähung des Defekts.

Dauertherapie

Die konservative Therapie wird mindestens für sechs Monate durchgeführt und bei Nichtansprechen in eine operative Therapie weitergeführt.

Bewertung

Die konservative Therapie stellt in der Behandlung der Schmerzen keine kausale, sondern eine rein symptomatische Therapie dar. Die Exzision von nekrotischem Sehnengewebe hingegen kann als Kausaltherapie betrachtet werden.

Nachsorge

In Abhängigkeit von Lokalisation und Ausmaß der Sehnenruptur Nachbehandlung mit Ruhigstellung unter Entspannung und Entlastung der Sehne und langsamer Belastungssteigerung sowie frühe funktionelle Therapie.

Autor

Karl-Heinz Kristen

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