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Depression

Englischer Begriff

Depression

Definition

Störung des Affekts mit Herabsetzung der Stimmung.

Pathogenese

Die Prävalenz depressiver Störungen beträgt 6 %. Aufgrund von Zwillingsuntersuchungen (Konkordanzrate 70 %) und Untersuchungen an Familien wird sowohl bei unipolaren als auch bei bipolaren Erkrankungen eine genetische Disposition angenommen. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit steigt bei unipolaren Erkrankungen für Familienmitglieder um 5–20 %, bei bipolaren Erkrankungen um 3–18 %. Neurochemisch bestehen sowohl Störungen der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin als auch deren Rezeptoren. Begünstigend für die Manifestation depressiver Störungen wirken belastende Lebenssituationen wie zwischenmenschliche Probleme, Trennung von vertrauten Personen sowie chronischer Stress mit Überforderungssituationen.

Symptome

  1. Herabgesetzte Stimmung, Freudlosigkeit, Gefühllosigkeit, Versteinerung;
  2. Angst, insbesondere vor der Zukunft, Versagensangst, Verlustängste;
  3. kognitive Störungen mit Denkverlangsamung, Fehlbewertung, Negativwertung, Denkhemmung bis zur Pseudodemenz;
  4. Antriebsdefizit: Verlust von Motivation und Initiative bis hin zum Stupor, aber auch innere Unruhe und Rastlosigkeit;
  5. Vitalstörungen: Somatisierung, Druck- und Engegefühl in der Brust, Schweregefühl des Körpers, Schmerzzustände, Kopfschmerzen, diffuse Muskel- und Skelettschmerzen;
  6. vegetative Störungen mit Ein- und Durchschlafstörungen, Herzrhythmusstörungen, Libidoverlust, Amenorrhoe;
  7. Wahnideen, Verschuldungswahn, Versagenswahn, Verarmungswahn, Verfolgungswahn;
  8. Suizidalität.

Atypische Verläufe gibt es insbesondere im Alter als larvierte oder auch somatisierte Depression, wobei hier körperliche und vegetative Zeichen im Vordergrund stehen und die depressive Stimmungslage übersehen werden kann. Bisweilen treten auch Appetitzunahme, Zunahme der Schlaflänge und Schlaftiefe sowie Erhöhung der Libido auf.

Man unterscheidet folgende Formen der Depression:

  1. Anpassungsstörung mit depressiver Verstimmung: situationsbezogene Depression, kurze depressive Reaktionen unter einem Monat Dauer oder länger anhaltende depressive Reaktionen bis zu zwei Jahren bei anhaltender Belastung; Niedergeschlagenheit, Angst- und Überforderungssymptome vorherrschend.
  2. Dysthymie: depressives Syndrom, vorwiegend Müdigkeit, Antriebsmangel, mangelnde Freude, keine Tagesperiodik, keine Psychose.
  3. Rezidivierende kurze depressive Störung: kurze Phasen depressiver Störungen, meist maximal zwei Wochen anhaltend, oft einmal im Monat auftretend.
  4. Depressive Episode (früher auch als endogene Depression bezeichnet): vorwiegende Störungen des Affekts mit Morgentief (Tagesperiodik), Freudlosigkeit, Denkhemmung, vegetative Symptome, phasenweiser Verlauf, bisweilen mit Psychose; Dauer der depressiven Episode mindestens zwei Wochen, oft sechs Monate, schwere Verläufe mit Stupor und Nahrungsverweigerung möglich.

Diagnostik

Klinische Untersuchung: Ausschluss metabolischer Störungen durch laborchemische Untersuchungen einschließlich Blutzucker, Leber-, Nieren-, Schilddrüsenfunktion; gegebenenfalls Computertomographie des Kopfs bzw. kraniale Magnetresonanztomographie zum Ausschluss intrazerebraler Raumforderungen, eines Hydrozephalus oder zerebrovaskulärer Erkrankungen; Medikamentenanamnese (Depression als Nebenwirkung von Medikation wie z. B. Beta-Blocker).

Differenzialdiagnose

Dementielle Syndrome, Schizophrenie, schizoaffektive Störung, abnorme Trauerreaktion.

Therapie

Konservative/symptomatische Therapie

  • Schlafentzug: Man unterscheidet totalen und partiellen Schlafentzug. Der partielle Schlafentzug erfolgt in der zweiten Nachthälfte, Schlafentzug der ersten Nachthälfte hat keine antidepressive Wirkung.
  • Elektrokrampftherapie: durch elektrischen Reiz herbeigeführter Krampfanfall.
  • Gesprächstherapie, Psychotherapie und Sporttherapie.

Medikamentöse Therapie

Antidepressiva: z. B. Hemmung der Wiederaufnahme der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin, Hemmung der Monoaminoxidase; je nach klinischem Bild Wahl des Antidepressivums mit eher antriebssteigernder, angstlösender, antriebsneutraler Wirkung oder schlafanstoßender Wirkung; bei paranoiden Ideen eventuell Kombination mit Neuroleptikum; Wirkungseintritt nach ca. ein bis zwei Wochen.

Nebenwirkung: anticholinerge Symptome, Leberenzymanstieg, orthostatische Störungen, Tachykardie.

Cave: Antriebssteigerung tritt meist vor Stimmungsaufhellung ein, Gefahr der Suizidalität!

Dauertherapie

Rezidivprophylaxe bei einem Großteil der Patienten entweder mit Antidepressiva oder Stimmungsstabilisatoren notwendig.

Bewertung

Unipolare Erkrankungen mit depressiven Störungen treten meistens zwischen dem dritten bis fünften Lebensjahrzehnt mit Episoden zwischen drei bis zwölf Monaten auf, welche im Alter an Länge eher zunehmen.

Bipolare Erkrankungen treten oft früher auf, wobei manische Störungen kürzer andauern als depressive. Häufig kommt es nach depressiver Verstimmung zu hypomanen Nachschwankungen. Durch Stimmungsstabilisatoren Verkürzung der einzelnen Episoden und Reduktion der Schübe.

Nachsorge

Siehe Dauertherapie, psychotherapeutische Hilfe.

Autor

Iris Reuter

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