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Oberschenkel-Schienen-Hülsen-Apparat

Synonyme

Oberschenkelorthese

Englischer Begriff

KAFO (knee ankle foot orthosis)

Definition

Entlastungsorthese für Ober- und Unterschenkel, die die Kräfte vom Oberschenkelbereich auf den Boden verteilt, meist als entlastende bzw. führende Orthese gearbeitet.

Indikation

Lähmungen des Quadrizeps, Genu valgum oder varum, seitliche Knieinstabilitäten, hochgradige Varus- oder Valgusgonarthrose, Lähmungen der Bein- und Beckenmuskeln bei Poliomyelitis, Spina bifida und Paraplegie, auch bei posttraumatischen Quadrizepsparesen, Genu recurvatum, Girdlestone-Resektionshüften.

Durchführung

Die Orthesen werden heute zur Entlastung meist mit Tuberabstützung und weiteren konstruktiven Elementen im Sinn von Oberschenkelhülsen, Unterschenkelhülsen bzw. Abstützung im Kondylen- und Tibiakopfbereich gefertigt. Bei Erkrankungen im Hüftbereich gilt es, sowohl das Hüftgelenk als auch den lumbosakralen Übergangsbereich miteinzubeziehen, um Aktionen zweigelenkiger Muskeln zu begrenzen. Bei Erkrankungen des Kniegelenks werden häufig das Hüftgelenk und das Sprunggelenk miteinbezogen. Bei Hüftgelenkerkrankungen ist nicht selten der proximale Teil mit einem Beckenteil kombiniert. Oberschenkelhülsenapparate werden traditionell in einer Technik in Metall und Lederbauweise, heute meist in der moderneren Karbonfasergießharztechnik gefertigt. Im Kniegelenkbereich bestehen die Möglichkeiten der Feststellung, des freibeweglichen Kniegelenks und eines teilbeweglichen oder sperrbaren Kniegelenks. Eine vordere Kniepelotte mit ausgestanztem Loch für die Patella verbessert die Stabilität im Gehen. Gerade in der Knieführung muss man darauf achten, die Kompromissachse nach Niethard zu berücksichtigen. Eine rückverlagerte Knieachse erhöht die Stabilität auf Kosten der Mobilität und umgekehrt.

Bei den Kniesperren gibt es zwei Bauarten: Schweizer Sperre (Schloss) und Fallschloss.

Dabei ist das Fallschloss die einfachere und robustere Technik, die Schweizer Sperre die etwas komfortablere Version. Der Oberschenkelteil wird meistens mit zwei seitlichen Schienen verbunden, durch Schellen aus Metall oder Kunststoff quer verbunden und reicht ventral bis 3 cm an das Leistenband bzw. an den Ansatz der Adduktoren heran, dorsal bis auf 2–3cm an das Tuber ossis ischii. Die Ränder sind medial, ventral und dorsal auszukragen, was insbesondere den Sitzkomfort erhöht. Ventral werden die Orthesen meist mit Laschen, Schnürungen oder Klettverschlüssen (Letztere fragiler!) verschlossen, zunehmend wird der Tubersitz durch eine sitzbeinumgreifende Schaftform proximal verlassen. Je nach Bedarf sind die Orthesen mit einem festen Fußteil bzw. einem Fußbündel kombiniert.

Autor

Bernhard Greitemann

FA Orthopädie, Physikalische und rehabilitative Medizin, Chefarzt und Ärztlicher Direktor Klinik Münsterland am Reha-Klinkum Bad Rothenfelde der DRV
Vorsitzender Vereinigung Techn. Orthopädie der DGOU und DGOOC
Vorsitzender Beratungsausschuss der DGOOC für das Orthopädieschuhtechnikhandwerk

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