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Mobilisation

Synonyme

Mobilisierung

Englischer Begriff

Mobilisation

Definition

Maßnahmen zur körperlichen (Re-)Aktivierung:

  1. Mobilisation nach Bettlägerigkeit oder nach Operation,
  2. Mobilisation einzelner Gelenke nach konservativer Ruhigstellungsbehandlung oder operativer Behandlung,
  3. manualtherapeutische Mobilisation zur Lockerung von Blockaden von z. B. Wirbelgelenken,
  4. Narkosemobilisation.

Indikation

Nach Immobilisationsphasen, postoperativ oder nach Bettlägerigkeit, zur (Wieder-)Erlangung eines größeren Bewegungsumfangs in einem oder mehreren Gelenken nach akuten Verletzungen, nach Operationen oder bei chronisch-entzündlichen oder degenerativen Erkrankungen.

Kontraindikation

Eine grundsätzliche Kontraindikation für die Mobilisierung eines Patienten gibt es nicht. Da die Technik der Mobilisierung sehr umfangreich ist, muss sie entsprechend dem Krankheitsbild und Befinden des Patienten angepasst werden. Als relative Kontraindikation zur Mobilisierung aus der Bettlägerigkeit können beispielsweise tiefe Venenthrombosen angesehen werden. Doch auch bei diesen Patienten ist eine Teilmobilisierung (Mobilisierung der oberen Extremität) möglich.

Durchführung

Die Mobilisierung kann sowohl passiv als auch aktiv geschehen. Bei der passiven Mobilisierung wird der Körper des Patienten passiv durchbewegt. Dies kann entweder durch Therapeuten oder durch entsprechende Hilfsmittel wie CPM-Schienen (continuous passive motion) erfolgen. Die CPM-Schiene ist eine Motorschiene für die obere oder untere Extremität. Die Extremität wird auf dieser Schiene bequem gelagert und fixiert. Das zu mobilisierende Gelenk wird dann innerhalb einstellbarer Grenzen durch die Schiene über einen Motor bewegt. Die Schienen sind vor allem für die Bewegungsrichtungen Flexion und Extension in Ellenbogen-, Hand-, Knie- und Sprunggelenk konstruiert.

Im Rahmen der Manualtherapie versteht man unter passiver Mobilisierung spezifische gelenknahe Handgriffe, durch die der distale Gelenkpartner durch Traktion und Friktion gegen den proximalen Gelenkpartner bewegt wird. Dabei wird sowohl in freie als auch in gesperrte Bewegungsrichtungen gearbeitet. Die Muskulatur und der Kapsel-Band-Apparat werden dabei gedehnt und gelockert. Auch Anwendungen im Bereich der Elektrotherapie, bei denen die Muskulatur durch Strom passiv angespannt wird, zählen zur passiven Mobilisierung.

Unter aktiver Mobilisierung versteht man Muskelaktivierungen und Bewegungen, die durch den Patienten selbst erfolgen. Darunter können das Aufstehen aus dem Bett sowie isometrische Anspannungsübungen einzelner Muskeln bis hin zum Training gegen Widerstand gezählt werden. Ziel ist es, zum einen dem Patienten seine Selbständigkeit zurückzugeben, zum anderen prophylaktisch so genannten Sekundärerkrankungen (Lungenembolie, Thrombose, Pneumonie) entgegenzuwirken. Das Ausmaß der aktiven Mobilisierung wird durch den Zustand des Patienten, durch den Therapeuten und durch den behandelnden Arzt bzw. Operateur bestimmt.

Die Narkosemobilisation ist ein Verfahren, bei dem man unter Ausschaltung von Schmerzreizen und Angstverhalten des Patienten den „wahren“ Beweglichkeitsumfang eines Gelenks erfahren und eventuell unter vorsichtigem Krafteinsatz vergrößern kann. Dieses Verfahren wird vor allem bei Narbenbildungen und Kapselverhärtungen nach Gelenkeingriffen verwendet. In der Literatur ist es mittlerweile umstritten und seine Wirksamkeit wird diskutiert.

Nachbehandlung

Die Mobilisation ist eine Nachbehandlungsmethode. Der Aktivitätsgrad wird stetig gesteigert, bis entsprechende physiotherapeutische Übungen durchgeführt werden können.

Autor

Rolf Haaker

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