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Metallallergie

Englischer Begriff

Metal allergy

Definition

Die Metallallergie ist eine allergische Reaktion Typ IV vom Spättyp.

Pathogenese

Die Metallallergie ist eine allergische Reaktion Typ IV vom Spättyp. Spezifisch sensibilisierte T-Lymphozyten bestimmen diesen Allergietyp (zellulärer Typ). Häufige klinische Erscheinungsformen sind Kontaktekzeme, Tuberkulintest und Arzneimittelexantheme. In Orthopädie und Traumatologie sind insbesondere Allergien auf Metallimplantate von Bedeutung.

Voraussetzung für die Entstehung einer Implantatallergie ist, dass Ionen der Metalle oder ihrer Legierungen in das Gewebe übertreten. Dieser Prozess (Korrosion) wird durch die Zusammensetzung der Körperflüssigkeit, die einen relativ hohen Salzgehalt aufweist, begünstigt. Damit stellen sich an die Korrosionsresistenz der Implantatmaterialien hohe Anforderungen. Die heute üblichen Implantatmaterialien sind als isolierte Metalle sehr korrosionsfest, nach Verletzungen der Oberfläche, beispielsweise durch Reibung, steigt die Korrosion allerdings um ein Vielfaches.

Symptome

Bei einer Implantatallergie kann ein lokalisiertes Ekzem auftreten, allerdings sind auch disseminierte Ekzeme beschrieben worden. Nach Metallentfernung verschwinden diese Symptome. Wundheilungsstörungen und Rötungen treten im Bereich von Hautklammern auf. Auch pseudolymphomartige Schwellungen, Urtikariaschübe, sterile Osteomyelitis und aseptische Implantatlockerungen wurden beschrieben.

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Metallüberempfindlichkeit sollte neben der Anamnese zu früheren allergischen Reaktionen bei Metallkontakt ein entsprechender Hauttest (Epikutantest) durchgeführt werden. Im Lymphozytentransformationstest kann bei einem Teil der metallallergischen Patienten eine spezifische Reaktivität der zirkulierenden Blutlymphozyten nachgewiesen werden. Wichtige Hinweise liefern auch histologische Untersuchungen von implantatnahem Gewebe bzw. Punktatmaterial. Hier wäre typischerweise ein T-lymphozytäres Infiltrat nachweisbar. Die Aussagekraft einer probatorischen Vorabimplantation von Materialproben vor Wahleingriffen bleibt umstritten.

Differenzialdiagnose

Da die sichere Diagnose einer Implantatallergie nicht immer möglich ist, müssen Differentialdiagnosen beim Vorliegen von komplizierten Verläufen nach Implantation von Metallteilen ausgeschlossen werden. Insbesondere müssen septische Verläufe und aseptische Lockerungen bei Materialabrieb ausgeschlossen werden.

Therapie

Bei einer nachgewiesenen symptomatischen Implantatallergie ist eine Implantatentfernung mit Materialwechsel möglich. Sollte vor Wahleingriffen eine Metallallergie bekannt sein, ist ein verträgliches Material zu wählen.

Autor

Matthias Kusma

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