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Toxoplasmose

Synonyme

Toxoplasmose-Infektion; Toxoplasmose-Krankheit

Englischer Begriff

Toxoplasmosis

Definition

Durch das Protozoon Toxoplasma gondii übertragene Krankheit, die meist symptomlos verläuft. Von Bedeutung ist die Infektion mit Toxoplasma gondii in der Schwangerschaft.

Pathogenese

Der Erreger Toxoplasma gondii ist ein intrazellulär wachsendes Protozoon, das vom Tier auf den Menschen übertragen werden kann. Der Übertragungsweg läuft über die Nahrungskette durch die Aufnahme von infiziertem Fleisch. Als Endwirt nimmt die Katze eine Sonderstellung in der Entwicklung des Erregers ein. Ausschließlich im Dünndarm der Katze findet die geschlechtliche Vermehrung statt. Aus den Gameten entstehen nach Befruchtung die so genannten Oozyten, die mit dem Katzenkot ausgeschieden werden. Außerhalb des Katzenkörpers entwickelt sich der Erreger weiter in Sporozysten und Sporozoiten.

Beim Menschen wird im Falle der Infektion besonders das retikuloendotheliale System angegriffen.

Symptome

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Arten der Toxoplasmose: die postnatale und die konnatale Toxoplasmose. Bei der postnatalen Toxoplasmose muss man zwischen immunkompetenten und immunsupprimierten Patienten unterscheiden. Bei immunkompetenten Patienten kommt es nach einer Inkubationszeit von ca. ein bis drei Wochen zu leichtem Fieber, Mattigkeit, Stirnkopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie gelegentlich zu Durchfällen. Die häufigste Organmanifestation ist die Halslymphknotentoxoplasmose. Bei immunsupprimierten Patienten nimmt die Erkrankung häufig einen schweren Verlauf mit Hirntoxoplasmose und septischer Streuung in Herz, Lunge und Milz. Die konnatale Toxoplasmose hat bei der relativ seltenen frühen Fetusinfektion einen schweren Krankheitsverlauf mit Hepatomegalie, Ikterus, Myokarditis und Pneumonien. Die Rate der Aborte oder Totgeburten ist stark erhöht. Auch Enzephalitiden mit den Trias Hydrozephalus, Chorioretinitis und intrazerebralen Verkalkungen kommen vor. Bei der Infektion im späteren Fetusalter kommt es zu einem milderen Krankheitsverlauf. Die Kinder erscheinen bei der Geburt gesund, entwickeln aber im weiteren Verlauf geistige Retardierung, Entwicklungsstörungen und Augenveränderungen, die bis zur Erblindung führen können.

Diagnostik

Der Nachweis kann erfolgen, indem Biopsien aus verschiedenen Organen (Uterus, Lymphknoten) genommen und der Erreger unter dem Mikroskop direkt nachgewiesen wird. Eine weitere Möglichkeit ist der Nachweis von IgG-Antikörpern durch den Sabin-Feldmann-Test, durch Immunfluoreszenz oder Enzymimmunoessays. Diese Tests sind zwei Wochen nach Infektion positiv und nach sechs bis acht Wochen erreichen sie ihren höchsten Titer. Der Nachweis von IgM-Antikörpern beweist eine frische Infektion, ebenso wie der Nachweis von Toxoplasma-DNA im Blut.

Differenzialdiagnose

Lymphknotenschwellung anderer Genese.

Therapie

Da die Infektion im Allgemeinen wenige Beschwerden verursacht, ist eine Therapie meist nicht erforderlich. Schwangere mit einer Neuinfektion müssen behandelt werden, auch wenn keinerlei Beschwerden bestehen, um einer Infektion des Kindes vorzubeugen. In diesen Fällen hat sich ab der 15. Schwangerschaftswoche eine Kombination von Sulfonamiden mit Spiramycin oder mit Pyrimethamin bewährt. Vor der 15. Schwangerschaftswoche eignet sich nur Spiramycin. Bei Patienten mit einem defekten Immunsystem, z. B. infolge einer HIV-Infektion, ist ebenfalls eine Therapie mit den oben genannten Medikamenten im Sinne einer Chemoprophylaxe empfehlenswert.

Autor

Thilo Hotfiel

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