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Digitus quintus (varus) superductus

Synonyme

Flötenklappenzehe; Digitus quintus varus

Englischer Begriff

Overlapping fifth toe

Definition

Medial gerichtete Achsenabweichung der fünften Zehe auf dem Boden einer Instabilität des fünften Zehengrundgelenks mit begleitender knöcherner Fehlanlage der Phalangen, die dazu führen, dass die fünfte Zehe über der vierten Zehe liegt.

Vorkommen

Die Digitus-quintus(-varus)-superductus-Deformität kommt meist als angeborene Erkrankung mit familiärer Häufung und beidseitiger Ausprägung vor.

Diagnostik

Die fünfte Zehe zeigt eine unterschiedlich stark ausgeprägte Abweichung nach medial, die mit einer dorsalen Subluxation oder Luxation im Zehengrundgelenk kombiniert ist, so dass die fünfte Zehe über der vierten Zehe liegt (Abb. 1). Oft hat die Kleinzehe eine zusätzliche rotatorische Fehlstellung, was an der Ausrichtung des Zehennagels zu erkennen ist. Auch die Längsachse der Zehe selbst kann durch eine Fehlanlage einzelner Phalangen verändert sein, so dass eine zusätzliche varische Deformität der fünften Zehe imponieren kann (Digitus quintus varus superductus). Eine flexible oder kontrakte Beugefehlstellung im Kleinzehenmittelgelenk ist häufig begleitend ausgebildet. Mit der klinischen Untersuchung lässt sich feststellen, ob es sich um eine flexible oder kontrakte Gelenkfehlstellung handelt. Lange bestehende Deformitäten können durch die Luxation im Kleinzehengrundgelenk zur Ausbildung einer Metatarsalgie mit krankhaft gesteigerter Beschwielung unter dem fünften Mittelfußkopf führen. Liegt zusätzlich eine Erweiterung des vierten intermetatarsalen Winkels vor, kann sich wie beim Hallux valgus eine schmerzhafte Pseudoexostose ausbilden.

Röntgenologisch ist die Deformität durch die Subluxation oder Luxation im Kleinzehengrundgelenk und die Überlagerung mit den benachbarten Zehen nur teilweise darzustellen. Der vierte intermetatarsale Winkel (Normalwert 8°) kann krankhaft vergrößert sein. Oftmals ist ebenfalls eine trapezförmige Fehlanlage der Mittel- oder Grundphalanx zu erkennen, die für die varische Achsenabweichung der Zehe verantwortlich ist.


Die fünfte Zehe liegt über der vierten Zehe

Differenzialdiagnose

Angeborene Zehenfehlstellung (z. B. Klinodaktylie).

Therapie

Die Therapie kann in Abhängigkeit von den beklagten Beschwerden konservativ erfolgen. Dazu gehören eine Weichbettung des fünften Mittelfußkopfs sowie bei Vorliegen einer flexiblen Deformität redressierende Verbände oder Bandagen. Kontrakte Deformitäten erfordern meist operative Therapiemaßnahmen, da es durch die dorsal über der vierten Zehe liegende Kleinzehe zu Druckbeschwerden im geschlossenen Schuhwerk kommt.

Konservative/symptomatische Therapie

Die konservative Therapie besteht in einer Weichbettung des fünften Mittelfußkopfs, einer Polsterung der fünften Zehe und im Fall einer flexiblen Deformität in einer Redression der fünften Zehe.

Operative Therapie

Die in zahlreichen Modifikationen beschriebenen operativen Therapiemaßnahmen haben die Reposition im Kleinzehengrundgelenk und die orthograde Ausrichtung der fünften Zehe zum Ziel. Liegt eine flexible Subluxation oder Luxation im Zehengrundgelenk vor, müssen ein mediales Kapselrelease und eine Verlängerung der Sehne des M. extensor digitorum longus und gegebenenfalls eine Hauterweiterungsplastik (Operation nach Wilson) durchgeführt werden. Diese Maßnahmen sind jedoch meist nicht ausreichend, so dass zumindest eine Sehnentransposition zur Behandlung flexibler Fehlstellungen erforderlich ist. Die proximal durchtrennte Sehne des M. extensor digitorum longus wird dazu von medial nach lateral um die Grundphalanx geführt und mit der Aponeurose des M. abductor digiti minimi vernäht (Operation nach Lapidus). Zusätzliche Fehlanlagen der Mittel- oder Grundphalanx können durch Umstellungsosteotomien korrigiert werden, wobei dies technisch aufgrund der geringen Dimension der Phalangen schwierig ist. Operationsverfahren, die eine partielle oder vollständige Resektion der Grundphalanx beinhalten, sind nicht empfehlenswert, da sie zu einer dauerhaften Instabilität des Zehengrundgelenks führen.

Liegt zusätzlich ein vergrößerter vierter intermetatarsaler Winkel vor, empfiehlt es sich, diesen über eine Korrekturosteotomie des fünften Mittelfußstrahls zu korrigieren.

Bewertung

Die angegebenen operativen Therapieverfahren sind geeignet, eine langfristige Stellungskorrektur der Kleinzehe zu erreichen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine regelrechte Ausbildung des vierten intermetatarsalen Winkels.

Nachsorge

Nach Abschluss der Rehabilitationsphase ist keine weitere spezifische Kontrolle erforderlich.

Autor

Renée Fuhrmann

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