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Beinachsenabweichung

Synonyme

Beinachsendeformität

Englischer Begriff

Deformity of long leg axis

Definition

Abweichungen der Beinachse können sowohl in der Frontalebene (varus/valgus) als auch in der Sagitalebene (Ante-/Rekurvation) bestehen.

Eine physiologische Beinachse besteht, wenn die anatomische Achse von Femur und Tibia 5° bis 7° valgus beträgt. Abweichungen hiervon bezeichnet man als Varus- bzw. Valgusdeformität. Eine physiologische Rekurvation, also Hyperextension des Unterschenkels im Vergleich zum Oberschenkel, besteht bei bis zu 40 % der Normalbevölkerung und kann bis zu 15° betragen. Das Rekurvatum ist als pathologisch anzusehen, wenn es sekundär aufgetreten ist und nur einseitig nachzuweisen ist.

Mechanische Definition: Eine physiologische Beinachse besteht, wenn die Traglinie des Beins (Mikulicz-Linie) durch das Zentrum des Kniegelenkzentrums verläuft. Abweichungen hiervon bezeichnet man als Beinachsendeformität.

Beschreibung

Beinachsenabweichungen können in Richtung X-Bein und in Richtung O-Bein bestehen. Die möglichen Ursachen werden unter den entsprechenden Stichwörtern abgehandelt. Deformitäten in der Sagitalachse werden als Ante- bzw. Rekurvation bezeichnet. Knöchern bedingte Deformitäten können bei Knochenstoffwechselerkrankungen wie Rachitis oder traumatisch auftreten. Daneben können Störungen der Wachstumsfugen im Kindesalter zu Deformitäten führen, hierbei ist der Morbus Osgood-Schlatter zu nennen. Achsenabweichungen können weiterhin weichteilig, kapsulaligamentär bedingt sein. Des Weiteren existieren neurologische Ursachen für Deformitäten, vor allem als Folge der Poliomyelitis.

Klinisch wird am stehenden Patienten der Kondylenabstand bei Knöchelschluss (Genu varum) oder Knöchelabstand bei Kondylenschluss gemessen, sagitale Abweichungen können per Blickdiagnose erkannt werden.

Objektiviert werden diese Befunde durch Röntgen-Ganzbeinstandaufnahmen bzw. Fernaufnahmen in der frontalen und sagitalen Ebene.

Als Therapie kommt neben konservativen Maßnahmen wie Schuhaußenranderhöhung bei Varusstellung bzw. Schuhinnenranderhöhung bei Valgusstellung eine operative Beinachsenkorrektur in Betracht.

Autor

Matthias Kusma

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