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Evozierte Potentiale

Englischer Begriff

Evoked potentials; Motor evoked potentials; Somatosensory evoked potentials; Auditory evoked potentials; Visual evoked potentials

Definition

Motorisch-evozierte Potentiale (MEP): Ableitung eines Muskelsummenpotentials nach Magnetstimulation des motorischen Kortex, der Nervenwurzeln oder der Hirnnerven.

Somatosensibel-evozierte Potentiale (SEP): Ableitung eines sensiblen Potentials über der Lumbalregion, dem siebten Halswirbelkörper oder dem somato-sensiblen Kortex nach peripherer elektrischer Stimulation sensibler oder gemischter Nerven (häufig: N. tibialis und N. medianus).

Akustisch-evozierte Potentiale (AEP): Reizantwort des Gehirns auf einseitig oder beidseitig dargebotene akustische Reize.

Visuell-evozierte Potentiale (VEP): mit Elektroenzephalographie abgeleitete Reizantwort der Sehrinde auf retinale Stimulation.

Indikation

MEP: Bestimmung der zentralen motorischen Überleitungszeit bei der Frage nach Erkrankungen des zentralen Nervensystems und nach zervikaler Myelopathie.

SEP: objektiver Nachweis von Sensibilitätsstörungen und deren Lokalisation, Überprüfung der Funktion der spinalen Hinterstränge nach Rückenmark- und Wirbeloperationen, Differentialdiagnose von Rückenmarkprozessen.

AEP: Störung der Hörbahn durch Hirnstammprozesse, kraniokaudal fortschreitende Hirnschädigung (Einklemming), Akustikusneurinom, multiple Sklerose.

VEP: Verdacht auf Neuritis nervi optici, Verdacht auf multiple Slerose.

Kontraindikation

MEP: Herzschrittmacher, Tiefenhirnstimulator, Stents, Gefäßclips, Epilepsie.

VEP: Epilepsie.

Durchführung

MEP: Der Patient sitzt auf einem Untersuchungsstuhl, zur Ableitung der Medianus- und Tibialis-MEP werden Oberflächenelektroden auf dem Daumenballen und auf dem M. tibialis anterior angebracht. Nach transkranieller Stimulation des motorischen Kortex wird ein Muskelsummenpotential abgeleitet und die Latenzzeit bis zum Auftreten des Potentials bestimmt, im zweiten Schritt wird über dem siebten Halswirbelkörper stimuliert und erneut ein Muskelsummenpotential vom Daumenballen abgeleitet. Zur Bestimmung der zentralen Überleitungszeit werden die beiden Latenzzeiten subtrahiert. Für die untere Extremität wird genauso vorgegangen, nur wird das Muskelsummenpotential vom M. tibialis anterior abgeleitet und die periphere Stimulation erfolgt lumbal.

SEP: Der Patient sitzt entspannt in halbliegender Stellung auf dem Untersuchungsstuhl. Es werden Elektroden über dem somatosensiblen Kortex sowie für ein Stufen-SEP auch lumbal und zervikal angebracht. Beurteilt werden Latenzzeit und Amplitude des Potentials. Zur Höhenlokalisation wird das SEP in Stufen abgeleitet und mittels der Latenzzeiten über die Teilstrecken die Leitungsverlangsamung diagnostiziert.

AEP: Der Patient sitzt entspannt im Untersuchungsstuhl und hört regelmäßige Klicklaute mit ca. 80 dB Lautstärke. Die Reizantwort wird ca. 1000- bis 15.000-mal gemittelt. Danach bilden sich regelhaft innerhalb von 8 ms fünf Wellen aus, die bei Prozessen im Bereich der Hörbahn verzögert sind oder kleinere Amplituden aufweisen.

VEP: Der Patient sitzt entspannt und wird aufgefordert, einen Bildschirm mit einem positiv/negativ wechselnden Schachbrettmuster zu fixieren. Nach Mittelung von ca. 100 stimulussynchronen EEG-Bereichen bildet sich ein mehrgipfliges Potential mit einer Latenzzeit von ca. 100 ms aus. Verlängerung dieser Latenzzeit tritt bei demyelisierenden Erkrankungen wie der multiplen Sklerose oder Neuritis nervi optici auf.

Für den Bereich der Orthopädie können vor allem das SEP- und das MEP-Verfahren bei der Diagnostik spinaler Prozesse nützlich sein. Allerdings können alte Läsionen nicht von frischen Läsionen unterschieden werden.

Autor

Iris Reuter

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