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Paratendinitis

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Synonyme

Sehnenscheidenentzündung; Paratenonitis

Englischer Begriff

Paratendinitis; paratenonitis

Definition

Der Begriff Paratendinitis wird speziell in Bezug auf eine Sehnenscheidenentzündung um die Achillessehne verwendet.

Pathogenese

Die bei der Paratendinitis betroffenen Strukturen sind die der Sehnenscheide anhaftende synoviale Zellschicht sowie das Kollagengewebe der Sehnenscheide. An der Achillessehne speziell wird häufig auch der unpräzise Sammelbegriff Achillodynie verwendet. Ursächlich für eine Paratendinitis kann ein entzündlich-rheumatisches Geschehen im Rahmen einer reaktiven Arthritis sein; außerdem kann sie als Entzündungsreaktion im Rahmen des chronischen rheumatischen Formenkreises auftreten. In der Sportmedizin treten Belastungsreaktionen am Achillessehnenansatz häufig bei Läufern und bei Sprungsportarten auf.

Symptome

Die entzündlichen Veränderungen um die Sehne führen zu Belastungsschmerzen und Schwellung.

Diagnostik

Die Diagnostik ist primär eine klinische. Hochauflösender Ultraschall kann die Verdichtung der peritendinösen Strukturen darstellen. Radiologische Untersuchungen dienen allein zum Ausschluss von Verkalkungen in und um die Sehne. Die Magnetresonanztomographie erlaubt neben der Darstellung des Peritendineums auch eine sensitive Untersuchung der Sehne selbst.

Differenzialdiagnose

Tendinitis

Therapie

Die Therapie ist zumeist konservativ mit Belastungsreduktion, Sportmodifikation bei Läufern, physikalische Therapie sowie eventuell passagere Ruhigstellung. Orthesen mit sanfter Kompression sowie Absatzerhöhung können beim Gehen verwendet werden. Wenn diese Behandlungen das Problem nicht lösen, kann letztendlich eine Operation mit Entfernung des chronisch-entzündlich veränderten Paratenons erforderlich sein (siehe Abb. 1). Die Regeneration ist rasch. Laufen ist im Normalfall zwei bis drei Monate nach einer derartigen Operation möglich. Falls die Sehne selbst auch degenerativ verändert ist, sind längere Heilungszeiträume zu erwarten.


Abb. 1.
Operatives Bild einer Achillessehne mit Verdickung des Paratendineums und der Sehne.

Akuttherapie

Ruhigstellung und Entlastung, lokale Therapie mit Antiphlogistika und Eis; physikalische Therapie mit Diadynamik, Interferenzstrom und Ultraschall.

Konservative/symptomatische Therapie

Funktionelle Orthesen und Bandagen, Tape-Verbände, lokale Therapie mit hyperämisierenden Pharmaka, Moorpackungen; Massage: Längsmassage, eventuell Stäbchenmassage, Unterwassermassage; physikalische Therapie mit Iontophorese.

Medikamentöse Therapie

Lokal und systemisch Antiphlogistika, z. B. nicht-steroidale Antirheumatika; abschwellende Medikation.

Operative Therapie

Bei Therapieresistenz und Fortschreiten der Symptomatik trotz konservativer Therapie über mehr als sechs Wochen: Spaltung, eventuell Resektion des Paratendineums.

Dauertherapie

Längerdauernde Orthesenversorgung und heilgymnastische Therapie zur Veränderung der Belastungen.

Bewertung

Primär konservatives Vorgehen.

Nachsorge

Sehnen sind bradythrophes Gewebe. Die Regeneration der Sehne auch nach operativer Resektion des entzündlichen Paratendineums erfolgt über mehrere Monate.

Autor

Karl-Heinz Kristen


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