Springer-Verlag
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z 0-9

Spinalis-anterior-Syndrom

Synonyme

Arteria-spinalis-anterior-Syndrom

Definition

Durch Thrombose der A. spinalis anterior verursachte Ischämie der ventralen Rückenmarkanteile mit charakteristischer Symptomkonstellation (Paraparese, dissoziierte Empfindungsstörung, Blasen- und Mastdarmstörungen).

Vorkommen

Das Spinalis-anterior-Syndrom kann durch eine Kompression der Arterie im Rahmen von Tumoren des Spinalkanals oder epiduraler Abszesse vorkommen. Des Weiteren sind im Rahmen der Wirbelsäulen- und der Aortenchirurgie die Verletzungen zuführender Gefäße (A. radicularis magna, genannt „Adamkiewicz-Arterie“) mit nachfolgender Ischämie im Versorgungsgebiet der A. spinalis anterior eine gefürchtete Komplikation. Da diese Arterie die ventralen Bereiche des Rückenmarks versorgt, sind in erster Linie die Vorderhörner mit den α-Motoneuronen, die Pyramidenbahnen, der Tractus spinothalamicus lateralis beidseits sowie vegetative Bahnen von der Ischämie betroffen. Dies führt zu einem Nebeneinander schlaffer und spastischer Paresen, zur dissoziierten Empfindungsstörung (Verlust der Schmerz- und Temperaturwahrnehmung bei erhaltener Berührungsempfindlichkeit) sowie zu Blasen- und Mastdarmstörungen.

Diagnostik

Die sorgfältige neurologische Untersuchung deckt die oben beschriebenen neurologischen Ausfallserscheinungen auf. Im Rahmen der Kernspintomographie kann die ischämische Schädigung ventraler Rückenmarkabschnitte dargestellte werden, mit Angiocomputertomographie oder -magnetresonanztomographie lässt sich unter Umständen der Strömungsabriss bzw. der Verschluss der A. spinalis anterior zeigen.

Differenzialdiagnose

Bei entsprechender Anamnese (z. B. gerade durchgeführte Operation eines Bauchaortenaneurysmas oder Aufrichtungsspondylodese, bekannter epiduraler Abszess) ist die Diagnose bei Vorhandensein der typischen Symptome relativ eindeutig, bei weniger typischer anamnestischer und klinischer Konstellation müssen andere Erkrankungen erwogen werden, die die gleichen Bahnen betreffen.

Therapie

Eine einmal eingetretene Ischämie der ventralen Abschnitte des Rückenmarks ist nach wenigen Stunden irreversibel; daher ist in der Regel bei Diagnosestellung eine kausale Therapie nicht mehr möglich. Es sind jedoch einzelne Fälle mit spontaner Besserung beschrieben worden. Durchblutungsfördernde Maßnahmen, die hochdosierte Gabe von Kortikosteroiden und die Gabe von Radikalfängern sind versucht worden. Aufgrund der Tatsache, dass es sich um sporadische Fälle handelt, fehlen jedoch systematische Studien.

Nachsorge

Autor

Nils Hailer

Anzeige

Anzeige

© Springer 2017
Powered by kb-soft