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Schwielen

Synonyme

Hornhaut; Hornhautschwiele

Englischer Begriff

Soft corn; Callosity

Definition

Lokale Hyperkeratose in einer Region vermehrter Druck- oder Scherbelastung.

Vorkommen

Häufig ist bei einem Spreizfuß eine flächenhaft vermehrte Beschwielung unter den zentralen Mittelfußköpfen zu beobachten. In Höhe der Zehen können sich Schwielen unter den Zehenkuppen (z. B. bei Hammerzehe) oder über dem beugekontrakten Zehenmittelgelenk (z. B. bei Klauenzehe) ausbilden. Seitliche Exostosen an den Zehenphalangen können klinisch ebenfalls durch eine lokale Schwielenbildung imponieren.

Alle Rückfußdeformitäten, die mit einer Achsenfehlstellung verbunden sind, können zu einer krankhaft gesteigerten Schwielenbildung führen. Bei einem Pes planovalgus calcaneus kann sich im fortgeschrittenen Stadium eine Schwielenbildung unter dem medioplantar prominenten Os naviculare ausbilden, während der Hohlfuß meist durch eine am lateralen Fußrand vermehrte Beschwielung gekennzeichnet ist.

Diagnostik

Die Hyperkeratose kann je nach ihrer Ätiologie flächenhaft (z. B. bei Spreizfuß) oder lokal umschrieben (z. B. bei Hammerzehe) sein. Die oberflächlichen Hautschichten erscheinen verdickt und die Hautleisten sind deutlich zu erkennen. Das Hautkolorit unterscheidet sich von der Umgebung durch eine etwas dunklere Farbe. Die Verschieblichkeit und Elastizität des betroffenen Hautareals ist eingeschränkt. Es können sich schmerzhafte Rhagaden und Infektionen (z. B. Schwielenabszess) ausbilden.

Differenzialdiagnose

Clavus; Dornwarze

Therapie

Die symptomatische Behandlung der Schwielenbildung kann vorübergehend zur Rückbildung der Hyperkeratose führen. Unverzichtbar ist jedoch die kontinuierliche Druckentlastung der betreffenden Region, was vor allem im Rückfußbereich oft nur durch einen operativen Eingriff zu erzielen ist.

Akuttherapie

Wechsel des Schuhwerks, lokale Polsterung der druckbelasteten Regionen.

Konservative/symptomatische Therapie

Die symptomatische Therapie besteht in einer Abtragung oder Ausdünnung der verdickten Hornhautregion durch maschinelle oder manuelle Bearbeitung unter Erhalt der Papillarschicht. Unabhängig davon muss eine Druckentlastung der betreffenden Region vorgenommen werden. Dies kann beispielsweise bei einem Spreizfuß in der Versorgung mit einer retrokapitalen Pelotte, einer Weichbettung der Mittelfußköpfe und einer Marquardt-Schmetterlingsrolle bestehen. Eine Druckentlastung streckseitig über den beugekontrakten Mittel- und/oder Endgelenken kann durch Maßanfertigung eines Schuhs mit weichem Oberleder und ausreichend hohem Vorfußbereich erfolgen. Bei Vorliegen kontrakter Achsenfehlstellungen im Rückfußbereich (Hohlfuß, Pes planovalgus) lässt sich selbst mit einem orthopädischen Schuh meist keine ausreichende Druckentlastung herbeiführen.

Medikamentöse Therapie

Äußerlich anzuwendende Salizylsäure- oder Harnstoffpräparate zur Aufweichung der verdickten Hornschichten.

Operative Therapie

Liegt der Schwielenbildung eine morphologische Störung des Fußskeletts zugrunde, so kann diese langfristig nur durch einen geeigneten operativen Eingriff beseitigt werden.

Dauertherapie

Vorbeugung vor Schuhdruck, geeignetes Schuhwerk, regelmäßige Fußpflege.

Bewertung

Schwielenbildungen können symptomatisch erfolgreich behandelt werden, solange keine strukturellen Veränderungen des Fußskeletts vorliegen, die als ursächlich anzusehen sind. In diesem Fall ist die operative Korrektur der zugrunde liegenden Deformität anzustreben.

Nachsorge

Tragen eines passgerechten Schuhwerks, regelmäßige Fußpflege, prophylaktische Polsterung gefährdeter Regionen.

Autor

Renée Fuhrmann

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