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Oberschenkelgipsverband

Synonyme

Oberschenkelgips

Definition

Verfahren zur Ruhigstellung der gesamten unteren Extremität durch Anlegen eines stabilen Gipses.

Indikation

Der Oberschenkelgipsverband wird zur konservativen Behandlung von Frakturen im Unterschenkel- und Kniebereich angewendet. Eine weitere Indikation ist die postoperative Behandlung von osteosynthetisch versorgten Frakturen, die weder belastungs- noch übungsstabil sind. Eine Besonderheit ist die redressierende Klumpfußbehandlung mit Oberschenkelgips von Säuglingen.

Kontraindikation

Starke Schwellung der Extremität, offene Frakturen, Hautveränderungen.

Durchführung

Das Bein wird in Funktionsstellung gehalten, d. h. 90°-Flexion im Fußgelenk und 10°-Flexion im Kniegelenk. Eine Ausnahme zur Funktionsstellung bildet die Gipsbehandlung von Klumpfüßchen bei Säuglingen. Hierbei wird der Gips in 90°-Knieflexion angelegt. Zum Hautschutz wird Schlauchmull oder Schlauchgaze angewendet, die sowohl proximal als auch distal etwas länger gewählt werden sollte. Mit lockeren Windungen wickelt man anschließend zur Polsterung Baumwollwatte zirkulär an. Grundsätzlich gilt: „so dünn wie möglich, so dick wie nötig“. Besonders druckgefährdete Stellen sollten extra gepolstert werden, um Druckschäden zu vermeiden. Dazu zählen die Ferse, die Malleolen, das Caput fibulae und der nachbarschaftlich dazu gelegene N. fibularis, die Crista anterior tibiae, die Patella und die Epikondylen des Femurs. Eine zirkulär mit gut dosiertem Zug angebrachte Kreppbinde verhindert das Nasswerden der darunterliegenden Schichten und gewährleistet eine gute Komprimierung und Formgebung der Polsterung. Im Anschluss daran wird die Gipsbinde in ca. 20°C warmes Wasser getränkt und in einem Zug von distal beginnend (im Bereich der Metatarsalköpfchen) zirkulär abgerollt. Es sollte möglichst bis weit proximal gewickelt werden. Danach werden Falten und Unebenheiten mit der flachen Hand glattgestrichen und der Gips anmodelliert. Die Modellierung im Fußgelenk und Kniegelenkbereich sichert eine gute Passform des Gipses und verhindert ein Abrutschen. An den Enden wird der überschüssige Schlauchmull mit der Baumwollwatte ca. ein Zentimeter umgeschlagen, um gut gepolsterte Randbereiche zu schaffen. Wichtig ist, ständig auf die Funktionsstellung des Beins zu achten. Wenn der Gipsbrei matt wird, kann die Oberfläche nochmals geglättet werden. Es müssen immer alle Zehen sichtbar sein, um Sensibilität, Durchblutung und Motorik kontrollieren zu können. Ein konventioneller Gips benötigt ca. 24 Stunden, um auszuhärten. Plastikgipse härten innerhalb von zwei bis drei Stunden.

Nachbehandlung

Bei Beschwerden muss der Gips gewechselt werden, denn „ein Patient mit Gips hat immer Recht“. Regelmäßige Gipskontrollen sind notwendig, um Passform und Funktionstüchtigkeit des Gipses zu kontrollieren. Da die Muskulatur unter der Gipsbehandlung atrophiert, können Gipswechsel notwendig werden, um eine gute Ruhigstellung zu gewährleisten.

Autor

Rolf Haaker

Email: r.haaker@khwe.de
http://www.khwe.de
https://www.klinik-bewertungen.de.../erfahrung-mit-st-vincenz-hospital-brakel
Prof. Dr. R. Haaker
CA der Klinik für Orthopädie,
Rheumatologie, Traumatologie
Schwerpunkte: Primär- und Wechselendoprothetik,aller großen Gelenke; Fuß-, Kinder-, Rheumaorthopädie
Sportverletzungen, Wirbelsäulenerkrankungen

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