Springer-Verlag
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z 0-9

Azathioprin

Handelsnamen

Zum Beispiel: Azafalk, Colinsan, Imurek, Zytrim

Anwendungsgebiete/Indikationen

Azathioprin ist ein Immunsuppressivum und wird eingesetzt bei Organtransplantationen und bei Autoimmunkrankheiten (z. B. schwere Formen der rheumatoiden Arthritis). Gelegentlich wird es auch angewendet bei Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa sowie bei multipler Sklerose. Aufgrund eines im Vergleich zu Methotrexat ungünstigeren Nutzen-Risiko-Verhältnisses hat Azathioprin allerdings an Bedeutung verloren und ist in der Rheumatologie nur noch Reservesubstanz.

Dosierung

Die mittlere Tagesdosis bei einer immunsuppressiven Therapie liegt bei 1–3 mg/kg Körpergewicht.

Darreichungsformen

Azathioprin ist als orale (Tabletten) sowie als intravenöse Darreichungsform verfügbar.

Pharmakokinetik

Azathioprin ist ein inaktives „Prodrug“ eines Antimetaboliten. Die Substanz wird in vivo rasch in 6-Mercaptopurin umgewandelt. 6-Mercaptopurin hemmt die Biosynthese von Purinnukleotiden. Nach Einbau in die DNA und RNA stört es zudem als falscher Baustein deren Funktion. Dies führt zu Funktionsverlust und schließlich zum Tod der Zelle. Azathioprin trifft stärker T- als B-Lymphozyten; daher hemmt es bevorzugt zelluläre Immunreaktionen. Auf die Antikörpersynthese hat es nur einen geringen Einfluss, der in mehreren klinischen Studien nicht nachweisbar war.

Kontraindikation

Schwere Leber-, Nieren- und Knochenmarkschäden, bekannte Allergie gegen Azathioprin und/oder 6-Mercaptopurin (wirksamer Metabolit des Azathioprins), Infektionserkrankung (Tbc, akute/chronische bakterielle oder virale Infekte, Mykosen), Gravidität bzw. Kinderwunsch, Laktation.

Nebenwirkungen

So wie bei anderen zytotoxischen Wirkstoffen kann Azathioprin schnell wachsende Zellen beeinflussen, Knochenmark und gastrointestinale Zellen eingeschlossen, was zu Leukozytopenie, Thrombozytopenie und gastrointestinalen Störungen führen kann. Zudem wurde von einer Hepatotoxizität (Cholestase) berichtet. Viele der allgemeinen Probleme, die eine Immunsuppression mit sich bringen kann, wie die einer erhöhten Infektionsgefahr, können ebenfalls auftreten. Außerdem gibt es Hinweise auf Mutagenität und eine mögliche Karzinogenität.

Wechselwirkungen

Wie bei 6-Mercaptopurin selbst kann die gemeinsame Verabreichung von Allopurinol und Azathioprin zu einer gesteigerten Nebenwirkungsrate führen. Dafür ist die Hemmung der Xanthinoxidase durch Allopurinol verantwortlich, einem entscheidenden Enzym für den Abbau zahlreiher Purine, 6-Mercaptopurin eingeschlossen. Somit führt die gemeinsame Einnahme von Allopurinol und Azathioprin zu erhöhten 6-Mercaptopurinspiegeln, was daher mit einer gesteigerten Nebenwirkungsrate enden kann.

Autor

Peter Teschendorf

Anzeige

Anzeige

© Springer 2017
Powered by kb-soft