Springer-Verlag
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z 0-9

Phenprocoumon

Synonyme

Vitamin-K-Antagonist; Antikoagulans

Handelsnamen

Marcumar

Anwendungsgebiete/Indikationen

Ausgedehnte tiefe Beinvenenthrombosen, Beckenvenenthrombosen, Lungenembolie, Herzerkrankungen mit erhöhtem arteriellen Embolierisiko (Vorhofflimmern, dilatative Kardiomyopathie), Zustand nach prothetischem Herzklappenersatz.

Dosierung

Die Dosierung richtet sich nach dem gewünschten therapeutischen Intervall: Je nach Erkrankung werden unterschiedliche Grade der Antikoagulation gewünscht, bei der Behandlung der tiefen Venenthrombose wird in der Regel ein INR-Wert von etwa 2,5 angestrebt (siehe unten).

Darreichungsformen

Tabletten

Wirkmechanismus

Phenprocoumon hemmt die Reduktion von Vitamin K, was die in der Leber stattfindende Vitamin-K-abhängige Karboxylierung von Gerinnungsfaktoren stört. Insbesondere wird die Biosynthese von hämostatisch wirksamen Faktoren VII, XI und X gehemmt. Dadurch kommt es zu einem gerinnungshemmenden Effekt, der die Entstehung oder Ausbreitung von Thromben bzw. venösen Thrombosen verhindert oder erschwert. Der gerinnungshemmende Effekt wird anhand des INR-Werts (oder früher: Quick-Wert) verfolgt: Beim gesunden, nicht mit Phenprocoumon behandelten Menschen liegt der INR-Wert bei 1, während er durch die Behandlung mit Phenprocoumon ansteigt. Für die Behandlung der tiefen Venenthrombose oder der Lungenembolie wird in der Regel ein INR-Wert von etwa 2,5 angestrebt. (Cave: Die Umstellung vom alten Quick-Wert, angegeben in Prozent, hat gelegentlich für Verwirrung gesorgt: Der Normalwert des Quick liegt bei 100 %, die gerinnungshemmende Wirkung des Phenprocoumon führt hier jedoch im Gegensatz zu dem neuen INR-Wert zu einem Absinken des Messwerts, so dass Patienten unter Phenprocoumon einen Quick-Wert von zwischen 20 % und 30 % aufweisen sollten.)

Die Wirkung von Phenprocoumon kann entsprechend dem oben geschilderten Wirkmechanismus durch die Gabe von Vitamin K (Konakion) antagonisiert werden; bei der Notwendigkeit einer raschen Senkung des INR-Werts kann auch gefrorenes Frischplasma gegeben werden.

Pharmakokinetik

Die Absorption von Phenprocoumon erfolgt nach peroraler Gabe schnell und vollständig, die Plasmaeiweißbindung ist mit 99 % sehr hoch. Phenprocoumon wird durch Metabolisierung in der Leber abgebaut, wobei große interindividuelle Unterschiede in der Enzymausstattung (Cytochrom-P 450-System) dafür sorgen, dass die Schwankungsbreite der biologischen Halbwertszeiten sehr hoch ist. Daraus erklären sich die erheblichen interindividuellen Unterschiede in der zum Erreichen eines definierten INR-Werts notwendigen Dosis von Phenprocoumon. Die Elimination der Metaboliten erfolgt zu 90 % renal. Nach beendeter Behandlung mit Phenprocoumon normalisieren sich die Prothrombinspiegel nach vier bis fünf Tagen.

Kontraindikation

Kontraindikationen sind angeborene oder erworbene Blutungsneigung, schwere Lebererkrankungen, bekannte Unverträglichkeit von Phenprocoumon.

Nebenwirkungen

Mit Abstand häufigste Nebenwirkung ist die erhöhte Blutungsneigung, gefolgt von weniger häufigen gastrointestinalen Nebenwirkungen wie Durchfall und Transaminasenanstieg, Exanthemen der Haut, Hautnekrosen und Haarausfall.

Wechselwirkungen

Die Wechselwirkungen von Phenprocoumon sind außerordentlich zahlreich und können hier nur ausschnittweise wiedergegeben werden. Wechselwirkungen treten nach Gabe von Amiodaron, NSAID, ASS auf. Starke Induktoren des Metabolismus von Phenprocoumon mit einhergehender Wirkungsabschwächung sind u. a. Azathioprin, Barbiturate, Cloxacillin, Dicloxacillin, Flucloxacillin, Griseofulvin, Johanniskraut, Carbamazepin, Cholestyramin, Rifampicin. Hemmer des Phenprocoumonmetabolismus mit nachfolgender Wirkungsverstärkung sind u. a. Cimetidin, Ciprofloxacin, Diazoxid, Erythromycin, Phenylbutazon, Phenytoin, Fluconazol, Fluorouracil, Fluvastatin, Iphosphamid, Ketoconazol, Chinidin, Clarithromycin, Chloramphenicol, L-Thyroxin, Metronidazol, Miconazol, Norfloxacin, Omeprazol, Paracetamol, Simvastatin, Bactrim, Tamoxifen, Testosteron.

Autor

Nils Hailer

Anzeige

Anzeige

© Springer 2017
Powered by kb-soft