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Wärmetherapie

Definition

Äußere Applikation von Wärme unter Zuhilfenahme unterschiedlicher Medien.

Indikation

Empfohlen ist die Wärmetherapie bei Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats im chronischen Stadium, z. B. bei Arthrosen (Arthrose der Hand- und Fingergelenke, Arthrose des Kniegelenks, Arthrose des Hüftgelenks), Wirbelsäulenerkrankungen wie Bechterew-Krankheit, bei muskulären Verspannungen oder Myogelosen. Oft wird die Wärmetherapie auch bei chronischen Gelenkentzündungen als angenehm empfunden.

Wärmetherapie kann adjuvant vor oder nach anderen physikalischen Maßnahmen (Massage, Ultraschall, Elektrotherapie) angewendet werden. Bei psychosomatischen Erkrankungen und Nervosität kann eine Wärmetherapie einen entspannenden und beruhigenden Effekt haben.

Kontraindikation

Nicht angewendet werden sollte Wärmetherapie nach akutem Trauma und Verletzungen, bei akuten entzündlichen Schüben von Gelenkentzündungen, bei schlechtem Allgemeinzustand und Herz-Kreislauf-Schwäche oder grippalen Infekten.

Durchführung

  1. Heiße Rolle: Ein Frottierhandtuch wird trichterförmig zusammengerollt und auf die innerste Schicht wird heißes Wasser gegossen. Der zu behandelnde Körperteil wird kurzzeitig berührt. Eingesetzt werden kann die heiße Rolle z. B. bei Muskelverspannungen, Tennis- und Golferellenbogen oder als Vorbereitung auf krankengymnastische Übungen (Bewegungstherapie).
  2. Schlammpackungen: Torf, Schlamm, Fango oder Moor werden erwärmt, auf die entsprechende Stelle aufgelegt und ca. 15–20 Minuten belassen. Sie können als Einzeltherapie oder etwa in Kombination mit klassischer Massage oder Unterwasserdruckstrahlmassage eingesetzt werden.
  3. Paraffinbad der Hände: Die Hände werden in flüssiges Paraffin, das auf ca. 45–50°C erhitzt worden ist, für etwa vier bis fünf Minuten eingetaucht. Mehrmaliges Eintauchen erzeugt eine isolierende Schicht. Anschließend werden die Hände mit Tüchern für 15–20 Minuten eingeschlagen. Diese sehr intensive Form der Wärmetherapie kommt bei starken Gelenkabnützungen der Hand- und Fingergelenke zum Einsatz.
  4. Infrarot: Durch Einstrahlung von Infrarotlicht erwärmt sich das Gewebe.
  5. Ultraschall: Durch Ultraschalltherapie wird in Form von Kontaktschall das Gewebe mechanisch erwärmt.
  6. Hochfrequenztherapie: Die Wärme wird bei der Hochfrequenztherapie durch hochfrequente elektromagnetische Felder erzeugt.
  7. Heublumenbad, Heusack: Das Heublumenbad stammt aus der Volksmedizin, wurde von Sebastian Kneipp eingeführt und wird bei Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats eingesetzt. Derzeit wird diskutiert, ob es das Cumarin ist, das die stark sedierend-beruhigende Wirkung eines Heublumenbads auslöst. Der den typischen Heugeruch hervorrufende Stoff erzeugt auf der Haut rötliche Flecken. Angezeigt ist das Heublumenbad bei sämtlichen Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats, bei denen die Wärmetherapie empfohlen ist. Heublumen werden dabei mit heißem Wasser überbrüht und ausgepresst. Bei einer Temperatur von 40–42°C wird der Heusack für 30–40 Minuten auf die zu behandelnde Region gelegt. Extrakte aus Heublumen werden auch als Zusatz für medizinische Bäder verwendet. Cave: Pollenallergie!
  8. Sauna, Dampfbad: Ähnlich der Hydro- und Balneotherapie kann auch Warmluft zur Ganzkörperbehandlung eingesetzt werden. Heißluftkästen werden zur Teilkörperbehandlung eingesetzt. Bei kreislaufstabilen Patienten kann das feuchtwarme Klima anregend und – ähnlich wie die Kneipp-Therapie –  die Abwehrkräfte stärken.

Nachbehandlung

Nach der Anwendung von Wärmetherapie kann zu weiteren physikalischen Maßnahmen übergegangen werden. Bei ausschließlicher Anwendung von Wärmetherapie ist nach Behandlungsabschluss Ruhe zu empfehlen sowie an den Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts durch Trinken zu denken.

Autor

Rolf Haaker

Email: r.haaker@khwe.de
http://www.khwe.de
https://www.klinik-bewertungen.de.../erfahrung-mit-st-vincenz-hospital-brakel
Prof. Dr. R. Haaker
CA der Klinik für Orthopädie,
Rheumatologie, Traumatologie
Schwerpunkte: Primär- und Wechselendoprothetik,aller großen Gelenke; Fuß-, Kinder-, Rheumaorthopädie
Sportverletzungen, Wirbelsäulenerkrankungen

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