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Schulterinstabilität, Diagnostik

Synonyme

Schulterverrenkung, Diagnostik; Schulterluxation, Diagnostik

Englischer Begriff

Diagnosis of shoulder dislocation; Diagnosis of shoulder instability

Definition

Klinische und apparative Diagnostik der Schulterinstabilität.

Beschreibung

Klinische Diagnostik

Akute komplette Luxation: schmerzhafte Bewegungseinschränkung, leere Pfanne und meist nach ventral, seltener nach dorsal verschobener Humeruskopf tastbar.

Habituelle oder rezidivierende Luxationen, Subluxationen, Instabilitäten geringeren Ausmaßes:

  • Positiver Apprehensionstest: Dabei wird vom Untersucher in Abspreizungs- und Außenrotationsstellung der Schulter gleichzeitig mit einem kleinen Ruck die Außenrotation verstärkt und mit dem Daumen von dorsal der Humeruskopf im Gelenk nach ventral gegen die Kapsel gedrückt. Der Sportler mit instabiler Schulter verhindert durch ebenfalls ruckartige muskuläre Gegenspannung die entstehende ventrale Subluxation oder/und gibt die ihm bekannten bei der sportlichen Belastung auftretenden typischen Schmerzen an.
  • Positiver Relokationstest: Der Arm wird so weit außenrotiert, bis Beschwerden beginnen. Bei nach dorsal gerichtetem Druck von ventral gegen den Humeruskopf kommt es zu einer Entlastung der kapsulolabralen Strukturen, so dass eine weitere Außenrotation ohne Schmerzen toleriert wird.

Röntgen

Akute komplette Luxation: in der anterior-posterioren Aufnahme bei vorderer Luxation Verschiebung des Kopfs nach medial und kaudal, leere Pfanne. Cave: Bei hinteren Luxationen keine Verschiebung des Kopfs nach kaudal; Kopfkontur verläuft häufig noch parallel zum vorderen Pfannenrand, wird aber durch den hinteren Pfannenrand überdeckt. Aus diesem Grund immer Röntgenaufnahme in der zweiten Ebene erforderlich (streng axial, Y-Aufnahme etc.)!

Habituelle oder rezidivierende Luxationen, Subluxationen, Instabilitäten geringeren Ausmaßes: Darstellung von knöchernen Verletzungen (Pfannenrandfraktur, Hill-Sachs-Delle) streng axiale Aufnahme, Pfannenprofilaufnahmen (z. B. Hermodsson, West-Point-View); gegebenenfalls Spezialaufnahmen zur Darstellung individueller Ursachen (angeborene Dysplasien des Glenoids, Torsionsfehler des Humerus etc.) erforderlich.

Computertomographie

Exakte Darstellung knöcherner Läsionen, gegebenenfalls auch dreidimensional.

Kernspintomographie

Darstellung von Weichteilläsionen (Kapsel-Labrum-Läsion, SLAP (superior labrum anterior to posterior)-Läsion); sichere Beurteilung jedoch nur bei Vorliegen von intraartikülärer Flüssigkeit (z. B. Einblutung nach frischer Luxation); Ansonsten Kontrastmagnetresonanztomographie mit intraartikulärer Flüssigkeitsinstillation empfohlen, am besten in Außenrotationshaltung des Arms (bessere Differenzierung von laxer Kapsel mit regulärer Insertion und ALPSA-Läsion möglich; Zug auf Bizepssehneninsertion lässt abgerissene Labrumanteile abheben).

Arthroskopie

Exakteste Darstellung der intraartikulären Läsionen, sollte aber heutzutage nicht mehr als rein diagnostische Maßnahme, sondern immer in Kombination mit einer in gleicher Narkose angeschlossenen arthroskopischen oder offenen operativen Stabilisierung erfolgen.

Autor

Casper Grim

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