Engelhardt (Hrsg.)
Lexikon Orthopädie und Unfallchirurgie

Talusrolle, Osteochondrosis dissecans

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Synonyme

Osteochondrosis dissecans tali

Englischer Begriff

Osteochondral lesion of the talus

Definition

Lokale Osteochondronekrose des Talus unklarer Genese.

Pathogenese

Aetiologie: idiopathisch, repetives Trauma (?), Osteonekrose (?).

Die Osteochondrosis dissecans des Talus ist vor allem an der medialen Seite des Talus anzutreffen.

Symptome

Belastungsabhängige Schmerzen, rezidivierende Schwellungen, Bewegungseinschränkung, Blockaden bei freiem Dissekat.

Diagnostik

Klinische Untersuchung.

Röntgen (oberes Sprunggelenk anterior-posterior und seitlich im Stehen), Magnetresonanz- und Computertomographie als Zusatzdiagnostik möglich.

Klassifikation nach Berndt und Harty:

Differenzialdiagnose

Osteochondrale Fraktur (flake fracture).

Therapie

Akuttherapie

Entlastung, Hochlagern, Kühlen.

Konservative/symptomatische Therapie

Temporäre Immobilisation und/oder Entlastung.

Indiziert vor allem im Jugendalter bei geringen Beschwerden und unverändertem Verlaufsröntgenbild.

Medikamentöse Therapie

Abschwellende, entzündungshemmende und schmerztherapierende Wirkung durch orale oder lokale NSAR-Therapie.

Operative Therapie

Je nach Stadium besteht die operative Versorgung in einer retrograden Anbohrung, einem Fixationsversuch des Dissekats mit Kleinfragementschrauben oder resorbierbaren Materialien und in einem arthroskopischen Débridement und Entfernung der Gelenkmaus.

Häufig ist die Osteochondrosis dissecans tali mit einer Instabilität des oberen Sprunggelenks oder mit einer Valgus-Varus-Deformität des oberen Sprunggelenks vergesellschaftet. In solchen Fällen empfiehlt es sich in derselben Sitzung diese Komorbiditäten zu beheben.

Nachsorge

Bei Anbohrung oder Refixationsversuch Entlastung für sechs bis acht Wochen, danach Physiotherapierehabilitationsprogramm.

Autor

Victor Valderrabano, Beat Hintermann, Geert I. Pagenstert