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Sakroiliakalarthrose

Synonyme

Iliosakralgelenkarthrose; ISG-Arthrose

Englischer Begriff

Sacroiliac arthrosis

Definition

Degenerative Erkrankung der Kreuz-Darmbein-Gelenke.

Pathogenese

Neben der idiopathischen Arthrose der Kreuz-Darmbein-Gelenke kann eine degenerative Erkrankung der Iliosakralgelenke infolge entzündlicher Erkrankungen des Bewegungsapparats (z. B. ankylosierende Spondylitis), Beckenfrakturen sowie traumatischer Zerreißungen der Gelenkverbindung entstehen.

Symptome

Die Patienten klagen über eine schmerzhafte Bewegungsstörung des Kreuz-Lenden-Übergangs. Die Beschwerden sind in aller Regel schwer zu lokalisieren und werden oft als dumpfe Dauerschmerzen angegeben. Liegt eine entzündliche Komponente vor (z. B. bei ankylosierender Spondylitis), sind frühmorgendliche tiefsitzende Kreuzschmerzen typisch.

Diagnostik

Bei der klinischen Untersuchung kann eine Bewegungseinschränkung für den Kreuz-Lenden-Übergang vorliegen. Meist wird die palpatorische Untersuchung der Kreuz-Darmbein-Gelenke als schmerzhaft angegeben. Durch Ausführen des Mennell-Zeichens (passive Überstreckung des Beins bei gleichzeitiger Fixation des Kreuzbeins in Bauchlage) oder des Patrick-Zeichens (Viererzeichen) lassen sich Schmerzen provozieren.

Röntgenologisch ist eine einseitige oder beidseitige Verschmälerung der Kreuz-Darmbein-Gelenke zu erkennen. Es kann eine verstärkte subchondrale Sklerosierung mit Ausbildung kleiner Osteophyten am kaudalen Ende der Iliosakralgelenke imponieren.

Differenzialdiagnose

Spondylolisthesis, Pseudospondylolisthesis, entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparats (z. B. ankylosierende Spondylitis), Sakroileitis, Bandscheibenprotrusion des lumbosakralen Übergangs, Facettenarthrose, Erkrankungen des Dickdarms, des Uterus, der Ovarien, der Nieren oder der ableitenden Harnwege, Tumoren, Metastasen.

Therapie

Symptomatische Arthrosen der Kreuz-Dambein-Gelenke sind einer konservativen Therapie gut zugänglich. Nur selten und bei fehlender Beschwerdelinderung können operative Verfahren (Arthrodese) durchgeführt werden.

Akuttherapie

Analgetika, Antiphlogistika, Myotonolytika.

Konservative/symptomatische Therapie

Die konservative Therapie beinhaltet lokale Infiltrationen (Triggerpunktinfiltrationen, intraartikuläre Infiltrationen mit Lokalanästhetikum und gegebenenfalls auch mit Kortikoidpräparat). Parallel dazu sollten physikalische Maßnahmen (Hochvolttherapie, Ultraschall, TENS, Kälte- oder Wärmeapplikation) durchgeführt werden.

Medikamentöse Therapie

Analgetika, Antiphlogistika, Myotonolytika.

Operative Therapie

Die operative Behandlung beinhaltet die Versteifung des betreffenden Kreuz-Darmbein-Gelenks von einem posterioren Zugang aus. Nach Entknorpelung der Gelenkflächen wird in der Regel ein kortikospongiöses Knocheninterponat eingepasst, bevor die Arthrodese mit Schrauben oder Platten stabilisiert werden kann.

Dauertherapie

Werden zur Behandlung der Sakroiliakalarthrose konservative Therapiemaßnahmen durchgeführt, ist aufgrund der zu erwartenden chronisch-rezidivierenden Schmerzsymptomatik eine dauerhafte symptomatische Therapie erforderlich.

Bewertung

Die Sakroiliakalarthrose ist als chronisch-rezidivierende Erkrankung zu interpretieren, die selbst bei erfolgreicher konservativer Therapie mit beschwerdefreien Intervallen in der Regel zu phasenweiser Schmerzexazerbationen führt. Operativ durch Arthrodese behandelte Sakroiliakalarthrosen haben hinsichtlich der Schmerzreduktion eine günstige Prognose, können allerdings eine deutliche Bewegungseinschränkung des Kreuz-Darmbein-Übergangs zur Folge haben.

Nachsorge

Nach der Arthrodese des Sakroiliakalgelenks ist eine konsequente fachärztliche Betreuung über mehrere Monate bis zum Erreichen der knöchernen Konsolidierung erforderlich. Nach Erreichen einer ausreichenden muskulären Stabilisation und Beschwerdelinderung ist keine regelmäßige ärztliche Kontrolle erforderlich.

Autor

Renée Fuhrmann

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