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Bandscheibenverkalkung

Synonyme

Bandscheibenkalzifikation; Calcinosis intervertebralis; Calvé-Galland-Syndrom

Englischer Begriff

Disk calcification; Intervertebral calcinosis

Definition

Ätiologisch uneinheitliche Verkalkung des Nucleus pulposus.

Vorkommen

Verkalkungen der Bandscheiben im Erwachsenenalter können mit zunehmendem Alter physiologischerweise auftreten. Ihr Vorkommen ist bei Männern häufiger als bei Frauen und zeigt einen altersabhängigen Häufigkeitsanstieg bis zu 80 % im siebten Jahrzehnt. Betroffen sein können alle Abschnitte der Wirbelsäule.

Zu einer Verkalkung der Bandscheiben kann es auch selten im Kindesalter (Häufigkeitsgipfel um das achte Lebensjahr) kommen. Betroffen ist hiervon meist die Halswirbelsäule.

Diagnostik

Im Erwachsenenalter bedingt die Bandscheibenverkalkung meist keine klinische Symptomatik. Da sie im höheren Lebensalter vorkommt, stehen meist Beschwerden, die durch degenerative Veränderungen der Bandscheiben oder Wirbelgelenke hervorgerufen werden, im Vordergrund (Bandscheibenprotrusion, Facettensyndrom).

Im Kindesalter kann es hingegen zu einer posterioren Verlagerung des verkalkten Nucleus pulposus mit Ausbildung einer neurologischen Symptomatik (z. B. Tortikollis bei Befall der Halswirbelsäule) kommen. Anteriore Verschiebungen des Nucleus pulposus sind eine seltene Ursache für eine Dysphagie. Im Kindesalter geht die Bandscheibenverkalkung oft mit Fieber, Krankheitsgefühl, Nackenschmerzen und erhöhten laborchemischen Entzündungswerten einher. Die klinische Symptomatik entspricht der eines akuten muskulären Schiefhalses. An bildgebenden Verfahren sind Röntgenuntersuchungen des betreffenden Wirbelsäulenabschnitts, Kernspintomographie oder Computertomographie geeignet. Bei Vorliegen einer neurologischen Symptomatik ist eine fachneurologische Abklärung einschließlich elektrophysiologischer Untersuchungen sinnvoll.

Differenzialdiagnose

Spondylitis, Spondylodiszitis, Chondrokalzinose (Pseudogicht), Hyperparathyreoidismus, Hyperphosphatämie, Hämochromatose, Akromegalie, rheumatoide Arthritis, ankylosierende Spondylitis, diffuse idiopathische Skeletthyperostose, Gicht, Ochronose, Alkaptonurie.

Therapie

Im Kindesalter resorbieren sich die Verkalkungsherde in den Bandscheiben oft spontan innerhalb mehrerer Wochen bis Monate. Eine spezifische Therapie ist nicht erforderlich. Liegt eine nicht-regrediente neurologische Symptomatik vor, besteht eine Operationsindikation. Bandscheibenverkalkungen im Erwachsenenalter sind in aller Regel nicht behandlungsbedürftig.

Akuttherapie

Analgesie, Immobilisation.

Konservative/symptomatische Therapie

Analgesie, Immobilisation, physiotherapeutische Behandlung (isometrische Spannungsübungen).

Medikamentöse Therapie

Analgetika, Antiphlogistika.

Operative Therapie

Kommt es zu einem posterolateralen Vorfall der verkalkten Bandscheibe mit progredienter neurologischer Symptomatik, so besteht die operative Therapie in einer Entfernung der prolabierten Bandscheibenanteile mit Dekompression der Nervenwurzeln.

Bewertung

Die Bandscheibenverkalkung ist im Erwachsenenalter als physiologischer Befund zu interpretieren. Im Kindesalter kommt es meist zur spontanen Rückbildung der Verkalkungen, so dass eine operative Therapie nur bei neurologischer Symptomatik mit guten Erfolgsaussichten indiziert ist.

Nachsorge

Im Kindesalter sollte die fachärztliche Betreuung bis zur Beschwerdefreiheit fortgesetzt werden. Postoperativ ist eine klinische Kontrolle über mindestens zwölf Wochen bzw. bis zur Rückbildung der neurologischen Symptomatik erforderlich.

Autor

Renée Fuhrmann

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