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Alkoholismus

Synonyme

Alkoholabhängigkeit; Alkoholmissbrauch

Englischer Begriff

Alcoholism; Alcohol disease

Definition

Suchtbedingtes, unkontrolliertes Trinken von Alkohol mit somatischen und psychischen Folgeschäden.

Pathogenese

Multifaktoriell:

  1. genetische Disposition,
  2. lerntheoretische Ursachen (Modell-Lernen),
  3. soziale Faktoren (begünstigende Faktoren in unterprivilegierten Gruppen),
  4. psychische Faktoren (Verarbeitung von Krisensituationen, Frustrationstoleranz).

Häufigkeit: 2,5–3 Millionen Alkoholkranke in Deutschland.

Symptome

Kontrollverlust beim Trinken, Alkoholrausch, Delirium tremens:

  • physische Folgen: Organschäden, z. B. Fettleber, Alkoholhepatitis, Leberzirrhose, Pankreatitis, Ösophagitis, Gastritis, Mallory-Weiss-Syndrom (durch Erbrechen verursachte längsgestellte Schleimhautrisse im ösophagogastralen Übergang), Zieve-Syndrom (Trias aus Fettleber, akuter hämolytischer Anämie und Hyperlipoproteinämie), Kardiomyopathie; zerebrale Schäden, z. B. Kleinhirnatrophie, Epilepsie, Wernicke-Syndrom (zentrale Augenmuskelstörungen, Areflexie, zerebelläre Ataxie, Bewusstseinsstörungen, organische Psychose, vegetative Symptome durch Thiaminmangel verursacht);
  • soziale Folgen: Arbeitsplatzverlust, Isolation, Zerstörung von familiären Strukturen, bisweilen strafrechtliche Probleme.

Diagnostik

Klinisches Bild; Labor: Erhöhung von GGT, MCV und Desialotransferrin (Transferrin mit reduziertem Kohlenhydratgehalt – spezifischer als GGT und MCV).

Differenzialdiagnose

Einzelne Symptome müssen gegenüber Organschäden anderer Genese, psychische Alterationen und zerebrale Symptome gegenüber organischen Hirnerkrankungen und andersartigem Substanzmissbrauch unterschieden werden.

Therapie

Mehrstufiger körperlicher und psychischer Entzug mit dem Ziel, durch medikamentöse, psychologische und soziale Unterstützung die Bindung und Abhängigkeit vom Suchtmittel zu lösen.

Die Entwöhnung erfolgt meist teilweise stationär, häufig in Spezialkliniken mit ambulanter Nachbetreuung. Die Therapieschemata sind unterschiedlich.

Dauertherapie

Alkoholkarenz

Bewertung

Rückfallquoten werden unterschiedlich angegeben, bis zu 50 %.

Nachsorge

Ambulant, Selbsthilfegruppen, Psychotherapie, Sozialarbeiter.

Autor

Iris Reuter

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