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Nervus ischiadicus, Parese

Synonyme

Ischiaslähmung

Englischer Begriff

Sciatic nerve paralysis

Definition

Läsion des Hauptstamms des N. ischiadicus, die zum Ausfall der ischiokruralen Muskulatur sowie der Unterschenkel- und der Fußmuskulatur führt.

Pathogenese

Mechanische Ursachen: Beckenfrakturen, Luxationsfrakturen, insbesondere hintere Luxation, Operationen am Hüftgelenk, Totalendoprothese der Hüfte (TEP), Hämatome in der ischiokruralen Muskulatur, Antikoagulantienblutung im M. piriformis, Glutealarterienaneurysma, Tumore in Nähe des N. ischiadicus, Tumore des N. ischiadicus (Schwannone, Neurofibrome, hochmaligne Neurofibrosarkome), Druckparesen während langer operativer Eingriffe, im Koma, selten bei älteren Männern nach Sitzen auf der Stuhlkante, Endometriose bei Frauen.

Injektionsschäden nach intraglutäaler Injektion.

Symptome

Je nach Ursache und Lokalisation der Läsion Schmerzen und sensomotorische Ausfälle. Eine Läsion des Hauptstamms des N. ischiadicus (siehe Nervus ischiadicus) führt zur Lähmung aller Kniebeuger – wobei eine Kniebeugung jedoch noch durch den M. gracilis (N. obturatorius) und den M. sartorius (N. femoralis) möglich ist – sowie zum Ausfall der durch den N. tibialis (siehe Nervus tibialis) und N. peronaeus (siehe Nervus peroneus, Lähmung) versorgten Muskulatur.

Häufig ist auch bei Läsionen des Hauptstamms nur der peroneale Anteil des N. ischiadicus vom Funktionsverlust betroffen. Bei Injektionsschäden treten Ausfälle meist 24–36 Stunden nach Injektion ein, nur 10 % der Patienten haben sofort Schmerzen, typisch verzögert einsetzendes Schmerzsyndrom, welches kausalgiformen Charakter hat.

Diagnostik

Klinisch-neurologische Untersuchung; Elektroneurographie: je nach Schädigungsschwere Verlust der elektrischen Erregbarkeit des Nervs; Elektromyographie: Zeichen der neurogenen Schädigung der betroffenen Muskeln, 10–14 Tage nach Läsion pathologische Spontanaktivität und neurogener Umbau der Muskelaktionspotentiale.

Differenzialdiagnose

Plexusläsionen, weiter periphere Läsionen des N. peroneus oder des N. tibialis, Kompartmentsyndrome am Unterschenkel und Fuß.

Therapie

Konservative Therapie bei Injektionsschäden, frühzeitige Neurolyse bei fehlender Erholung; operative Therapie bei mechanischen Verletzungen bzw. Druck auf den Nerven durch Endometriose, Tumor, Abszesse.

Akuttherapie

Injektionsläsionen: 50–100 ml Kochsalzinjektion unter den M. gluteus maximus zur Verdünnung der Injektionslösung; operative Freilegung.

Konservative/symptomatische Therapie

Allgemein: ausreichende Schmerztherapie, Ruhigstellung; Kompression des M. piriformis: Injektion von Kortikoiden und Lokalanästhetika; lagerungsbedingte Ischiadikusparese: besonders postoperativ zunächst konservativ.

Operative Therapie

Dekompression des Nervs bei Frakturen, Hämatomen und Abzessen; Resektion bei Tumorkompression.

Dauertherapie

Selbstständige Krankengymnastik.

Bewertung

Je länger und je schwerer die Symptome, umso schlechter die Prognose. Bei Tumoren von Primärerkrankung abhängig. Ansonsten bei proximaler Schädigung sprosst der Nerv 3 cm pro Monat aus, daher recht hohe Gefahr der Atrophie der distalen Muskulatur.

Nachsorge

Eventuell vorübergehende Ruhigstellung, ansonsten intensive Physiotherapie, Elektrostimulation.

Autor

Iris Reuter

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