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Finger, schnellender

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Synonyme

Tendovaginitis stenosans; Schnappfinger; Ringbandstenose; Digitus saltans

Englischer Begriff

Trigger finger; Snapping finger

Definition

Entzündliche Erkrankung der Sehnenscheide der Fingerbeuger, die zu einem gestörten Gleitverhalten der Sehnen unter dem Ringband A1 führt.

Siehe auch Tendovaginitis stenosans (de Quervain).

Pathogenese

Die genaue Pathogenese der Erkrankung ist nicht bekannt. Man geht davon aus, dass es zu einer entzündlich bedingten Volumenzunahme des Sehnengleitgewebes distal des Ringbands A1 der Fingerbeugesehnen kommt. Bei der aktiven Fingerbeugung gleitet die Sehne mit dem entzündlich verdickten Sehnengleitgewebe unter dem Ringband A1 nach proximal. Die Fingerstreckung gelingt anschließend oft nur passiv unter Auslösung des bekannten Schnapp-Phänomens, bei dem die entzündlich aufgetriebene Sehnenscheide ruckartig die Engstelle der Ringbandregion verlässt.

Die angeborene oder frühkindliche Erkrankung des Daumens (Pollex flexus congenitus) wird hingegen auf eine echte Verdickung der Sehne zurückgeführt.

Symptome

Die Patienten klagen über eine schmerzhafte Streckung des betreffenden Fingers, der oft in Beugestellung verbleibt und nur noch passiv gestreckt werden kann. Dieses Phänomen kann in Abhängigkeit vom Befund nur gelegentlich, frühmorgens oder bei jeder aktiven Beugung des Fingers auftreten. Der Finger kann entweder noch aktiv gegen den entstehenden Widerstand gestreckt oder muss passiv in die Streckstellung überführt werden.

Im Neugeborenen- oder Kleinkindesalter kann die Erkrankung am Daumen vorkommen (Pollex flexus congenitus). Die Kinder beklagen keine Schmerzen. Klinisches Zeichen ist die mangelnde Streckfähigkeit des Daumens im Metakarpophalangealgelenk.

Diagnostik

Es sind vorwiegend Frauen jenseits des 50. Lebensjahres betroffen. Der betreffende Finger weist selten eine Schwellung auf. Über dem Ringband A1 lässt sich in der Regel eine Druckschmerzhaftigkeit oder eine knotige Verdickung tasten. Bei aktiver oder passiver Streckung des Fingers kann das Schnapp-Phänomen palpiert werden.

Differenzialdiagnose

Ringbandganglion, Tumoren der Beugesehnenscheide (z. B. Riesenzelltumor), Tenosynovitis bei rheumatoider Arthritis, Partialruptur einer Fingerbeugesehne.

Therapie

Die Behandlung kann sowohl konservativ als auch operativ erfolgen.

Akuttherapie

Bei starken Beschwerden kann eine Infiltration mit einem wasserlöslichen Kortikoidpräparat in die Sehnenscheide durchgeführt werden, was nach Rückbildung der entzündlichen Volumenzunahme der Sehnenscheide zu einer Symptomverbesserung führt.

Konservative/symptomatische Therapie

Lokale Infiltration der Sehnenscheide mit einem wasserlöslichen Kortikoidpräparat. Systemische und lokale antiphlogistische Maßnahmen.

Medikamentöse Therapie

Systemische und lokale antiphlogistische Medikation.

Operative Therapie

Zur Behandlung des konservativ therapieresistenten schnellenden Fingers kann das Ringband A1 gespalten und gegebenenfalls eine Tenosynovektomie durchgeführt werden. Hierzu wird über dem Ringband A1 in Höhe des Fingergrundgelenks ein schräg verlaufender Zugang angelegt, der im Bedarfsfall nach distal und proximal verlängert werden kann. Unter Schonung der Gefäß-Nerven-Bündel wird das Ringband identifiziert und im Verlauf der Fingerbeugesehnen gespalten. Die Sehnen des M. flexor digitorum profundus und des M. flexor digitorum superficialis bzw. die Sehnen des M. flexor pollicis longus und des M. flexor pollicis brevis werden einzeln hervorluxiert, um das Sehnengleitgewebe bei erheblicher entzündlicher Veränderung entfernen zu können.

Die kindliche Form des schnellenden Daumens (Pollex flexus congenitus) sollte primär in der angegebenen Weise operativ behandelt werden.

Bewertung

In Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung können konservative Therapiemaßnahmen für mehrere Wochen oder auch dauerhaft zur Rückbildung der Symptomatik führen. Die operative Behandlung führt zur sofortigen Beschwerdefreiheit.

Nachsorge

Unmittelbar postoperativ ist mit aktiven Bewegungsübungen des betreffenden Fingers zu beginnen, um keine narbigen Adhäsionen im Bereich der Beugesehnen zu induzieren.

Autor

Renée Fuhrmann

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