Springer-Verlag
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z 0-9

Nervus thoracicus longus, Lähmung

Englischer Begriff

Long thoracic nerve palsy

Definition

Motorischer Nerv aus C5–C7, dessen Schädigung eine Skapula alata zur Folge hat.

Pathogenese

Die Hauptursachen für Läsionen des N. thoracicus longus sind:

  • Druckläsionen: Der lange Verlauf von seinem Ursprung, den Nervenwurzeln C5–C7, entlang der Thoraxwand zum M. serratus macht den Nerv für mechanische Schäden empfindlich. Druckläsionen entstehen durch das Tragen von schweren Lasten auf den Schultern oder mit Gurten und bei Rucksackträgern.
  • Schulterbewegungen, die vom Krafteinsatz und Bewegungsausmaß extrem sind: Extrem schwere körperliche Arbeit mit Axt, Vorschlaghammer oder bei manchen Kraftsportarten können zu Zerrungen und Überdehnungen des Nervs führen.
  • Iatrogene Ursachen: beim Ausräumen von axillären Lymphknoten z. B. bei Mammakarzinom-Patienten.
  • Entzündlich-allergisch, para- und postinfektiös: Im Rahmen der neuralgischen Schulteramyotrophie und nach Infektionseinheiten ist der Nerv oft betroffen.

Symptome

Bei Schädigung des N. thoracicus longus ist der M. serratus gelähmt, dieser fixiert die Skapula am Thorax, so dass sich das Schulterblatt bei einer Lähmung des Muskels medial vom Thorax abhebt (siehe Scapula alata).

Zusätzlich zieht der M. serratus mit seinen oberen Zacken die Skapula nach vorn, die unteren ziehen den Angulus inferior nach unten und nach vorn zur Verbesserung des Bewegungsausmaßes des Arms. Auch bei leichter Schädigung treten dumpfe Schmerzen am Schulterblatt auf.

Diagnostik

Klinische Symptomatik: Schmerzen und Befundkonstellation. Die Serratusfunktion wird beim Drücken mit ausgestreckten Armen gegen die Wand getestet. Bei einer Lähmung des M. serratus steht das Schulterblatt vom Thorax ab (siehe Skapula alata).

Denervierungszeichen lassen sich im Elektromyogramm ca. zwei Wochen nach Symptombeginn nachweisen (Cave: Pneu-Gefahr!).

Differenzialdiagnose

Leptosomer Körperbau mit flügelartigem Abstehen der Skapula (meist beidseitig), progressive Muskeldystrophie.

Therapie

Konservative/symptomatische Therapie

Druckläsionen des Nervs.

Operative Therapie

Rupturen des Nervs müssen operativ versorgt werden. Bei irreparablen Schäden werden Ersatzoperationen zur Fixierung der Skapula empfohlen.

Bewertung

Spontane Regeneration von Druckläsionen gut, dauert bis zu zwei Jahren. Nervennaht selten indiziert, vorwiegend bei den seltenen traumatischen Nervenverletzungen.

Nachsorge

Physiotherapie

Autor

Iris Reuter

Anzeige

Anzeige

© Springer 2017
Powered by kb-soft