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Nervus femoralis, Lähmung

Synonyme

Femoralisparese

Englischer Begriff

Femoral nerve palsy

Definition

Lähmung des N. femoralis mit Schwächung oder Ausfall der Hüftbeugung und Kniebeugung.

Ursachen der Lähmung des N. femoralis:

  1. Hämatome: gewisse Prädilektion für den N. femoralis, Hämatome im M. iliacus und M. psoas, auch intraneurale Hämatome;
  2. postoperativ: durch Dehnung, seltener Druckschädigung bei Eingriffen im Bereich der Appendix, bei Prostatektomie, Nierentransplantation, Hysterektomie, Entbindungen, Hüftoperation und ischämisch bei Operationen in Blutleere;
  3. traumatisch: selten durch unkontrollierte plötzliche Überstreckung, selten direkte Verletzung;
  4. seltene Ursachen: Tumorbefall, Aneurysma, Neurinom, Herpes-simplex-Infektionen, Kompartmentsyndrom bei stark entwickelter Oberschenkelmuskulatur (Radfahrer).

Symptome

Man unterscheidet Schädigungen des N. femoralis vor und nach Abgang der Muskeläste zum M. iliopsoas. Schädigung im Leistenbereich hat eine schwere Parese der Kniestrecker, leichte Schwäche der Hüftbeuger, Sensibilitätsausfall an Oberschenkelvorderseite und Unterschenkelinnenseite zur Folge. Bei einer Schädigung im Beckeninneren tritt eine schwere Parese der Hüftbeuger zu den zuvor genannten Ausfällen hinzu. Äußerlich ist die Atrophie der Oberschenkelmuskulatur auffällig.

Diagnostik

Klinisch-neurologische Untersuchung: Prüfung der Hüftbeugung durch Abheben des Beins von der Unterlage im Sitzen, Außenrotation des Oberschenkels bei gebeugter Hüfte im Sitzen (M. sartorius), Prüfung der Kniestreckung; Elektromyographie zur Überprüfung der beteiligten Muskeln; Sonographie; Magnetresonanztomographie, Computertomographie: Becken bei Frage der Raumforderung; selten Lumbalpunktion notwendig zur Liquoruntersuchung.

Differenzialdiagnose

L2/L3-Wurzelschädigung: Beteiligung der Adduktoren; L4-Läsion: Beteiligung des N. tibialis; Plexus-lumbalis-Hüftmuskulatur betroffen; Quadrizepsmyopathie langsamer Verlauf, Elektromyographie.

Therapie

Postoperative Läsion, zunächst konservativ, bei Verdacht auf Kompression operative Therapie.

Konservative/symptomatische Therapie

Lagerung mit Entlastung des Nervs, Physiotherapie.

Operative Therapie

Darstellung des Nervs und Neurolyse bei Kompression, ebenso bei Einblutung in den Nerven. Bei Kontinuitätsverlust Transplantation.

Bewertung

Durch plötzliche rasche Überdehnung des Nervs aufgetretene Schädigung hat eine relativ schlechte Spontanprognose. Läsionen, die durch chronische, repetitive, aber kontrollierte Dehnung aufgetreten sind, haben eine gute Prognose.

Bei der Hämatomentlastung ist die Prognose zur Funktionswiederherstellung von der Größe des Hämatoms, Dauer des Drucks und Zeitdauer bis zum Entstehen des Hämatoms abhängig. Externe Hämatome haben eine bessere Prognose als interne.

Alle bei Nierentransplantation innerhalb von 48 Stunden aufgetretenen Femoralisparesen bilden sich wieder zurück.

Autor

Iris Reuter

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