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Fersenvarus, Klumpfuß

Synonyme

Ferseninversion; Fersensupination

Englischer Begriff

Heel in varus

Definition

Inversion, Adduktion und Inklination der Ferse als Fehlstellungskomponenten des Klumpfußes.

Pathogenese

Der Kalkaneus weist im Rahmen der Klumpfußdeformität eine vermehrte Innenrotation, Inklination und Adduktion auf, die zum Teil durch das veränderte Subtalargelenk und die mangelnde Kongruenz zum Talus, zum Teil auch auf eine Formstörung des Kalkaneus selbst zurückzuführen ist.

Symptome

Der Fersenvarus ist eine Fehlstellungskomponente des Klumpfußes. Die Ferse erscheint gegenüber dem Mittelfuß hochstehend (Inklination). Die plantare Fläche der Ferse ist nach medial orientiert (Inversion) und kann parallel zur Innenseite des Unterschenkels orientiert sein. Sowohl der Rückfuß als auch der Mittelfuß sind adduziert.

Diagnostik

Bei Vorliegen einer angeborenen Fußdeformität sollten weitere Erkrankungen des Bewegungsapparats (z. B. Hüftdysplasie) ausgeschlossen werden. Bei der Untersuchung des Säuglings erkennt man neben den übrigen klinischen Zeichen des Klumpfußes eine hochstehende Ferse, die adduziert und nach innen rotiert ist (Fersenvarus). Röntgenologisch verlaufen in beiden Projektionen die Längsachsen von Talus und Kalkaneus parallel zueinander (Normalwert 20–40°).

Differenzialdiagnose

Posttraumatische Deformität der Ferse (z. B. Kalkaneusfraktur), neurogene oder myogene Erkrankungen mit einem Muskelungleichgewicht zwischen Supinatoren und Pronatoren (z. B. Schädigung des N. peronaeus).

Therapie

Die konservative Therapie besteht in einer mehrmonatigen schrittweisen Redressierung der Fehlstellungskomponenten des Klumpfußes, zu denen auch der Fersenvarus gehört. Persistiert die Fersenfehlstellung, kann im Alter von sechs bis acht Monaten ein operativer Eingriff nach den Maßgaben der Klumpfußkorrektur erfolgen.

Akuttherapie

Unmittelbar nach der Geburt werden entsprechend der unterschiedlichen Behandlungsphilosophien die einzelnen Fehlstellungskomponenten schrittweise redressiert und anschließend ein Oberschenkelgipsverband in 90°-Kniebeugung zur Retention angelegt. Die Spitzfußstellung des Rückfußes wird erst zuletzt ausgeglichen.

Konservative/symptomatische Therapie

Die Redressionsretentionstherapie wird über acht bis zwölf Wochen fortgesetzt, wobei die Gipsverbände anfangs täglich oder zumindest mehrfach wöchentlich gewechselt werden müssen. Später können die Abstände auf sieben bis zehn Tage erhöht werden. Anschließend ist eine intensive Übungsbehandlung auf neurophysiologischer Grundlage indiziert. Zwischenzeitlich wird der Fuß in einer Lagerungsschiene gefasst. Diese Behandlung kann sich bei gutem Ansprechen bis zum neunten bis zwölften Lebensmonat fortsetzen.

Operative Therapie

Wenn der Fersenvarus im Rahmen der Klumpfußdeformität konservativ nicht zu korrigieren ist, empfiehlt sich die Durchführung eines Cincinnati-Zugangs, bei dem die Ferse posterior bogenförmig nach medial und lateral umschnitten wird. Von diesem Zugang können ein mediales Release des Talonavikulargelenks, eine Verlängerung des M. tibialis posterior und des M. abductor hallucis sowie ein Release der Plantarfaszie durchgeführt werden. Von lateral kann eine Tenolyse der Peronealsehnen und ein Release des Kalkaneokuboidalgelenks erforderlich werden. Die Reposition des Rückfußes kann über Kirschner-Drähte gesichert werden. Postoperativ ist eine Immobilisation im Oberschenkelgipsverband über sechs Wochen erforderlich, bevor mit Physiotherapie und Lagerungsschienen begonnen werden kann.

Die sekundären, oft kontrakten Deformitäten bei älteren Kindern oder Erwachsenen müssen gelegentlich knöchern korrigiert werden. Dies ist je nach Befund mit einer lateralen Keilentnahme aus dem Kalkaneus oder dem Os cuboideus, einer additiven Osteotomie im Bereich des Os cuneiforme mediale oder entsprechenden Korrekturarthrodesen des Rückfußes bzw. der Fußwurzel möglich.

Dauertherapie

Dehnungs- und Kräftigungsübungen sowie das Erlernen koordinativer Fähigkeiten sind nach der Behandlung eines idiopathischen, angeborenen Klumpfußes über viele Jahre erforderlich. Individuell angefertigte Schuhe sind meist nicht erforderlich. So genannte Antivarusschuhe können geeignet sein, beim Kleinkind die noch vorhandene Adduktion des Vorfußes zu korrigieren. Nach Abschluss der Behandlung sekundärer Klumpfußdeformitäten sind Einlagen, Schuhzurichtungen oder auch orthopädisches Schuhwerk meist dauerhaft erforderlich, um die Funktion des Fußes zu verbessern und das Gehen zu erleichtern.

Bewertung

Etwa die Hälfte aller idiopathischen angeborenen Klumpfußdeformitäten lassen sich erfolgreich konservativ behandeln. Bei der anderen Hälfte sind operative Eingriffe erforderlich, um eine Reposition des Rückfußes durch geeignete Kombinationen aus Weichteileingriffen und knöchernen Korrekturen zu erreichen.

Nachsorge

Eine engmaschige Kontrolle der konservativ behandelten angeborenen Klumpfußdeformitäten ist bis zum Ausgleich aller Fehlstellungskomponenten erforderlich. Dies kann bis zum Erreichen des Schulalters erforderlich sein. Gleiches gilt auch für die operativ korrigierten Deformitäten.

Autor

Renée Fuhrmann

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