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Sakralisation

Synonyme

Lumbosakrale Übergangsstörung; Assimilationsstörung

Englischer Begriff

Sacralization

Definition

Anlagebedingte Segmentationsstörung, wobei der fünfte Lendenwirbelkörper teilweise (asymmetrisch, Hemisakralisation) oder komplett (symmetrisch) knöchern mit dem Kreuzbein verbunden ist.

Vorkommen

Die Sakralisation betrifft den Kreuz-Lenden-Übergang. Die Häufigkeit der Assimilationsstörung wird für verschiedene Bevölkerungsgruppen unterschiedlich angegeben und liegt bei 6–16 %. Eine Koinzidenz zur Ausbildung von Halsrippen ist beschrieben. Weiterhin gilt der sakralisierte fünfte Lendenwirbelkörper als Prädisposition für eine Bandscheibenprotrusion des darüber liegenden Bewegungssegments.

Diagnostik

Klinisch kann eine Sakralisation asymptomatisch sein und nur als Zufallsbefund diagnostiziert werden. Dies ist meist bei den symmetrischen Sakralisationen der Fall. Asymmetrische Assimilationsstörungen führen mitunter durch die Ausbildung eines breiten Querfortsatzes, der mit dem Sakrum in Form einer schmerzhaften Nearthrose artikulieren kann. Selten ist auch die Ausbildung einer kurzbogigen Skoliose möglich. Bei der klinischen Untersuchung kann deshalb die Skoliose durch Ausbildung eines konvexseitigen Lendenwulstes sowie einer Bewegungsstörung imponieren. Durch die strukturelle Veränderung des Foramen intervertebrale sind hierbei ischialgieforme Beschwerden mit radikulären Defiziten möglich (Bertolotti-Syndrom). In diesem Fall sind segmentale Empfindungsstörungen, eine Schwäche der Kennmuskulatur (M. triceps surae) sowie Nervendehnungsschmerzen (Lasègue-Zeichen) auslösbar.

Röntgenologisch kann der fünfte Lendenwirbelkörper bei Vorliegen einer symmetrischen Sakralisation vollständig in das Kreuzbein integriert und so konfiguriert sein, dass er zunächst nicht als Lendenwirbelkörper zu erkennen ist. Hinweisend können vier freie Lendenwirbelkörper sein. Da die Sakralisation auch mit einer Übergangsstörung im thorakolumbalen Wirbelsäulenabschnitt kombiniert sein kann, empfiehlt es sich, die Wirbelkörper ab dem zervikothorakalen Übergang nach kaudal zu zählen, um Gewissheit über die Anzahl der Wirbelkörper zu haben.

Differenzialdiagnose

Bandscheibenprotrusion der unteren Lendenwirbelsäule bzw. des lumbosakralen Übergangs, Irritationen der Keuz-Darmbein-Gelenke, Facettensyndrom, Instabilität der kaudalen Bewegungssegmente der Lendenwirbelsäule, Spondylolisthesis, Pseudospondylolisthesis, tendoligamentäre Überlastungsreaktionen, Erkrankungen von Uterus und Ovarien, Erkrankungen von Niere und ableitenden Harnwegen, Erkrankungen des Dickdarms, Tumoren, Metastasen, entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparats.

Therapie

Eine therapeutische Konsequenz ergibt sich nur aus symptomatischen Sakralisationen.

Akuttherapie

Analagetika

Konservative/symptomatische Therapie

Als invasive Maßnahmen zur Schmerzlinderung kommen Triggerpunktinfiltrationen oder Nervenwurzelblockaden in Frage. Parallel dazu sollten physikalische Maßnahmen (Hochvolttherapie, TENS, Kälte- oder Wärmeapplikation) durchgeführt werden. Akupunktur und psychotherapeutische Betreuung sind als supportive Maßnahmen möglich.

Medikamentöse Therapie

Analgetika, Antiphlogistika, Myotonolytika.

Operative Therapie

Lässt sich die Schmerzsymptomatik bei einer asymmetrischen Sakralisation auf eine Nearthrosebildung zwischen dem verbreiterten Querfortsatz und dem Os sacrum zurückführen, kann hier eine partielle Resektion des Querfortsatzes erfolgen. Steht die kurzbogige Skoliose mit Ausbildung radikulärer Defizite im Vordergrund, kann eine Erweiterung des Foramen intervertebrale zur Dekompression der Nervenwurzel in Kombination mit einer Stellungskorrektur und Fusion der Wirbelkörper (fünfter Lendenwirbelkörper und Kreuzbein) erfolgen.

Dauertherapie

Konservative Behandlungsstrategien, die zur Beschwerdelinderung bei Hemisakralisation durchgeführt werden, sind als Dauertherapie bei dem chronisch-rezidivierenden Charakter der Erkrankung zu verstehen. Nach der seltenen operativen Intervention ist keine Dauertherapie erforderlich.

Bewertung

Kommt es durch die asymmetrische Sakralisation zur Ausbildung einer schmerzhaften Nearthrose, ist von einem chronisch-rezidivierenden Leiden mit häufigem Therapiebedarf auszugehen. Ist eine operative Korrektur (Spondylodese) bei Vorliegen einer kurzbogigen Skoliose erforderlich, kommt es postoperativ häufig zur Ausbildung von schmerzhaften Irritationen der Kreuz-Darmbein-Gelenke.

Nachsorge

Nach operativen Maßnahmen (Spondylodese) ist bis zum Eintreten der knöchernen Ausheilung eine regelmäßige klinische und röntgenologische Kontrolle erforderlich.

Autor

Renée Fuhrmann

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