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Spondyloretrolisthesis

Synonyme

Retrolisthesis; Retrolisthese; Wirbelgleiten

Englischer Begriff

Retrolisthesis

Definition

Rückverlagerung eines Wirbelkörpers in Relation zu dem darunter liegenden Wirbelkörper.

Pathogenese

Degenerative Veränderungen der Bandscheibe mit Reduktion der Segmenthöhe und anschließender ligamentärer Insuffizienz können die Retroposition eines Wirbelkörpers bedingen, die zunächst funktionell, später strukturell fixiert sein kann. Bei langfristigen Verläufen kann sich kompensatorisch eine Hypertrophie der Wirbelgelenke und des Lig. flavum einstellen, so dass die relative Spinalkanalstenose noch verstärkt werden kann. Im Gegensatz zur Pseudospondylolisthesis finden sich bei der Retrospondylolisthese keine Stellungsanomalien der Wirbelgelenke, die als Prädisposition aufgefasst werden können.

Symptome

Die Patienten beklagen belastungsabhängige Rückenschmerzen, vor allem nach längerem Stehen oder Gehen. Das Bewegungsausmaß der Lendenwirbelsäule ist meist endgradig eingeschränkt. Ausstrahlende Beschwerden über das Gesäß in die dorsalen Oberschenkel (pseudoradikuläre Schmerzen) sind häufig vorhanden, seltener radikuläre Symptome mit entsprechenden neurologischen Defiziten. Gelegentlich kann auch eine Claudicatio spinalis mit Einschränkung der Gehstrecke vorliegen.

Selten kann es auch im Bereich der Halswirbelsäule zu einer Retrolisthese kommen. Die Schmerzen sind meist uncharakteristisch, strahlen in die Schulterregion aus und können mit Hinterhauptskopfschmerzen verbunden sein. Die Beweglichkeit der Halswirbelsäule ist meist konzentrisch eingeschränkt.

Diagnostik

Die Untersuchung umfasst die Inspektion des stehenden Patienten, um einen Rumpfüberhang oder eine abgeflachte Lendenlordose feststellen zu können. Palpatorisch werden oft Schmerzen paravertebral (erhöhter Muskeltonus!) oder über den Dornfortsätzen angegeben. Ein Erschütterungsschmerz der Wirbelsäule ist nahezu regelhaft auslösbar. Die Beweglichkeit des Wirbelsäulenabschnitts ist befundabhängig unterschiedlich stark eingeschränkt. Das Aufrichten des vorgebeugten Oberkörpers wird meist unter Abstützen der Arme auf den Oberschenkeln demonstriert. Die neurologische Untersuchung umfasst die Überprüfung der Reflexe, der Muskelkraft und der Sensibilität. Nervendehnungszeichen (Lasègue-Zeichen) oder das Pseudo-Lasègue-Zeichen können zu einer Schmerzauslösung führen.

Elektrophysiologische Untersuchungen sind vor allem vor einer geplanten operativen Intervention sinnvoll, um die angegebene neurologische Symptomatik zu objektivieren.

Röntgenologisch zeigt sich neben einer Verschmälerung des Zwischenwirbelraums, die mit einer Osteochondrose einhergehen kann, ein Versatz eines kranial liegenden Wirbelkörpers gegenüber dem kaudal folgenden Wirbelkörper in sagittaler Ebene. Schrägaufnahmen lassen keine Unterbrechung der Pars interarticularis der Bogenwurzeln erkennen. Funktionsaufnahmen in maximaler Vor- und Rückneigung (seitlicher Strahlengang) ermöglichen eine Aussage zum Ausmaß des Wirbelgleitens, sind aber hinsichtlich ihrer diagnostischen Wertigkeit umstritten. Kernspintomographisch kann die Kompromittierung der Nervenwurzeln bzw. des Duralsacks abgegrenzt werden. Eine Kombination aus Myelographie und Computertomographie ist als bildgebendes Verfahren ebenfalls geeignet.

Differenzialdiagnose

Pseudospondylolisthesis, Spondylolisthesis.

Therapie

In Abhängigkeit vom Befund kommen konservative oder operative Therapieverfahren in Frage. Eine Indikation zum operativen Vorgehen besteht nur nach erfolgloser langfristiger konservativer Therapie oder bei Vorliegen neurologischer Defizite.

Akuttherapie

Analgetika, Antiphlogistika, Myotonolytika.

Konservative/symptomatische Therapie

Die konservative Therapie beinhaltet lokale Infiltrationen (Triggerpunktinfiltrationen, Nervenwurzelblockaden oder peridurale Infiltrationen). Parallel dazu sollten physikalische Maßnahmen (Hochvolttherapie, TENS, Kälte- oder Wärmeapplikation) sowie isometrische Spannungsübungen der Rumpfmuskulatur durchgeführt werden. Orthesen können geeignet sein, die Beschwerden vorübergehend zu reduzieren, sollten allerdings nur in Kombination mit einer regelmäßigen Physiotherapie zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur getragen werden.

Medikamentöse Therapie

Analgetika, Antiphlogistika, Myotonolytika.

Operative Therapie

Im Vordergrund der operativen Therapie steht die Dekompression der neuralen Strukturen im Wirbelkanal und gegebenenfalls auch im lateralen Recessus. Da dies hauptsächlich durch die relative Instabilität auf dem Boden der Retrospondylolisthesis verursacht wird, ist zusätzlich eine Stabilisation des Bewegungssegments erforderlich. Dies kann über eine transpedikuläre Stabilisation mit postero-lateraler Stabilisierung (posterolateral interbody fusion, PLIF) erreicht werden.

Dauertherapie

Werden zur Behandlung der symptomatischen Pseudospondylolisthesis konservative Therapiemaßnahmen durchgeführt, ist aufgrund der zu erwartenden chronisch-rezidivierenden Schmerzsymptomatik eine dauerhafte symptomatische Therapie erforderlich.

Bewertung

Die Retrospondylolisthesis als Ausdruck einer chronischen Bandscheibenschädigung ist als chronisch-rezidivierende Erkrankung zu interpretieren, die selbst bei erfolgreicher konservativer Therapie mit beschwerdefreien Intervallen in der Regel zu phasenweisen Schmerzexazerbationen führt. Operativ durch Reposition und Spondylodese behandelte Retrospondylolisthesen haben hinsichtlich der Schmerzreduktion eine günstige Prognose, beinhalten allerdings das Risiko der Instabilität angrenzender Bewegungssegmente.

Nachsorge

Nach der operativen Stabilisierung ist eine konsequente fachärztliche Betreuung über mehrere Monate erforderlich. Nach Erreichen einer ausreichenden muskulären Stabilisation und Beschwerdelinderung ist keine regelmäßige ärztliche Kontrolle erforderlich.

Autor

Renée Fuhrmann

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