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Fraktur, Wirbelkörper

Synonyme

Wirbelkörperimpression

Englischer Begriff

Spine fracture

Definition

Mechanisch induzierte plastische Verformung des Wirbelkörpers.

Pathogenese

Je nach Krafteinwirkung können unterschiedliche Frakturen der Wirbelkörper entstehen. Eine Wirbelkörperkompression entsteht durch Überschreiten der Belastungsgrenze (z. B. axiale Stauchung der Wirbelsäule) und ist meist im Bereich des thorakolumbalen Wirbelsäulenabschnitts zu finden. Wirbelkörperkompressionsbrüche werden der AO-Klassifikation Typ A1 zugeordnet. Spaltbrüche entstehen bei höheren Kompressionskräften und gleichzeitiger Flexion (AO-Klassifikation Typ A2). Berstungsbrüche erfordern neben der Kompressionsbelastung gleichzeitige Flexions- oder Seitneigungsmomente und gehören zur AO-Klassifikation Typ A3.

Symptome

Die Patienten klagen über lokale Rückenschmerzen. Im thorakolumbalen Wirbelsäulenabschnitt wird oft eine gürtelförmige Ausstrahlung angegeben. Husten und Niesen sowie Erschütterungen können mit einer Schmerzzunahme verbunden sein. Störungen der Sensibilität oder motorische Defizite sowie vegetative Störungen sind vor allem bei den sagittalen Spaltbrüchen und Berstungsbrüchen möglich.

Diagnostik

Klinisch imponieren lokale Druck- und Klopfschmerzhaftigkeit mit Schmerzmaximum über dem betreffenden Bewegungssegment. Jegliche Erschütterung wird als schmerzauslösend beschrieben. Die Beweglichkeit des Wirbelsäulenabschnitts ist schmerzhaft eingeschränkt. Fehlhaltungen des Rumpfs sind möglich. Mithilfe der neurologischen Untersuchung muss eine Beteiligung der Nervenwurzeln bzw. des Rückenmarks ausgeschlossen werden.

Röntgenologisch kann eine Impression der Deckplatte mit Verdichtung der subchondralen Zone (Frakturtyp A1.1), ein Keilbruch (Frakturtyp A1.2) mit anterior betonter Minderung der Wirbelkörperhöhe oder ein Impaktionsbruch (Typ A1.3) mit homogener Erniedrigung des Wirbelkörpers zu erkennen sein. Spaltbrüche können frontal (Typ A2.1) oder sagittal (Typ A2.2) verlaufen. Berstungsbrüche sind durch eine deutliche Höhenminderung des Wirbelkörpers unter Mitbeteiligung der Hinterkante gekennzeichnet. Eine Kernspintomographie oder Computertomographie gibt Aufschluss über die Frakturzuordnung und Hinterkantenbeteiligung des Wirbelkörpers.

Differenzialdiagnose

Tumoren, Infektionen (Spondylitis), Stoffwechselerkrankungen (Mukopolysaccharidose), Morbus Scheuermann, angeborene Erkrankungen (Vertebra plana, Platyspondylie).

Therapie

Deckplatteneinbrüche (siehe Deckplatteneinbruch) und Kompressionsbrüche ohne Beeinträchtigung des Wirbelkanals sind stabil und bedürfen nur einer vorübergehenden symptomatischen Therapie. Keilbrüche mit einem Winkel über 20° sollten operativ aufgerichtet werden. Spaltbrüche werden hinsichtlich ihrer Stabilität eingeschätzt und wie auch die Berstungsbrüche meist operativ behandelt.

Akuttherapie

Analgetika, Antiphlogistika, Bettruhe, Atemgymnastik.

Konservative/symptomatische Therapie

Unter ausreichender Analgesie kann bei Frakturen von Typ A1.1 und A1.2 mit einem Kyphosewinkel unter 20°, von Typ A1.3 und gegebenenfalls auch bei nicht-dislozierten Spaltbrüchen nach kurzfristiger Immobilisation mit isometrischen Spannungsübungen der Rumpfmuskulatur begonnen werden. Ist der thorakolumbale Übergang betroffen, kann begleitend ein Dreipunktkorsett zur aktiven und passiven Aufrichtung hilfreich sein.

Medikamentöse Therapie

Analgetika, Antiphlogistika, Osteoporosetherapie (Fluor, Kalzium, Vitamin-D-Derivate, Bisphosphonate).

Operative Therapie

Keilbrüche (Typ A1.2) mit einem Kyphosewinkel über 20°, instabile Spaltbrüche und Berstungsbrüche sollten operativ aufgerichtet werden. Dies wird in der Regel von ventral mit gleichzeitiger Stabilisation (z. B. winkelstabiles Plattensystem) oder von dorsal unter Ausnutzung der Ligamentotaxis durchgeführt. Bei osteoporotischen Frakturen ist je nach Frakturtyp auch eine Augmentation des Wirbelkörpers mit Zement (Vertebroplastie oder Kyphoplastie) möglich.

Dauertherapie

Eine Rückenschule mit Training der Rumpfmuskulatur und Erlernen von Verhaltensmaßregeln ist sinnvoll.

Bewertung

Die Deckplattenimpression heilt in aller Regel ohne wesentliche Konturveränderung des Wirbelkörpers und damit weitgehend folgenlos aus. Die konservativ behandelten Keilbrüche und Impaktionsbrüche können mittel- und langfristig zu Beschwerden führen, die auf die Störung des sagittalen Wirbelsäulenprofils bzw. auf eine Kompression der Wirbelgelenke zurückgeführt wird. Alle operativ stabilisierten Frakturen bedingen eine mehrsegmentale Bewegungsstörung, die durch bleibende Störungen des sagittalen Wirbelsäulenprofils verstärkt sein kann.

Nachsorge

Bis zum Abschluss der knöchernen Konsolidierung und Beschwerdefreiheit sollte eine fachärztliche Betreuung mit klinischen und radiologischen Verlaufskontrollen erfolgen.

Autor

Renée Fuhrmann

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